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Kritik: Jin Roh (1999)


Animes aus Fernost, die es (meist erst Jahre nach ihrer Entstehung) bis in hiesige Kinos schaffen, lassen sich bequem an einer Hand abzählen. Allein der versierte Verleih Rapid Eye Movies wagt es in geraumen Abständen, an der Spitze des Eisberges unzähliger Mangas zu kratzen. Mit "Jin-Roh" von Hiroyuki Okiura ("Memories") nach einem Drehbuch von "Ghost in the Shell"-Regisseur Mamoru Oshii klingen den Fans zwei Namen in den Ohren, die Niveau versprechen. Und tatsächlich wählt "Jin-Roh" nicht den Weg visueller Bombardements und Overkills wie "Akira", sondern beschreibt mit fast minimalistischer Methode eine meditative Liebeselegie vor dem (fiktiven) Hintergrund eines düsteren Politdramas. Die Gepflogenheiten der Reiz- und Gewaltfülle mancher Vertreter tauschen Okiura und Oshii gegen Look und Gestus eines Nachkriegsdramas ein, das an den Klassiker "Die letzten Glühwürmchen" erinnert. Nach einem trotz seiner Brutalität nicht selbstzweckhaften, sondern genau getimten Anfang nimmt ein schillernder Reflexionsprozess seinen Lauf, bei dem der Film tief in Psyche und Befindlichkeit seiner realistisch und komplex gezeichneten Hauptfigur eingeht. Das fordert Geduld, belohnt aber mit starken Gefühlen aus der Moll-Region - was sicher nicht jeder Kinogänger zu schätzen weiß, der statt Zwischentönen handfeste Action gewohnt ist. Dabei weist "Jin-Roh" seltene Qualitäten und Themen auf: aktueller könnte die Dialektik von Menschlichkeit und Gewalt - verstärkt durch langsamen Rhythmus und Symbolik - nicht sein. Über all dem schwebt eine traurige Amour Fou ohne Zukunftsperspektive. Lässt man sich darauf ein, entdeckt man die Gewaltigkeit, die sich in der Stille verbirgt. Auch dahingehend spiegelt sich die Metapher vom Wolf im Schafspelz.




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