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Kritik: The Crossing (1999)


Als Erkenntnisprozess in fünf Akten ist Nora Hoppes vollkommen unkommerzielles Drama gestaltet. Erkenntnisgewinn, das muss Bâbak feststellen, ist schmerzlich und erlösend zugleich. Seit 20 Jahren lebt der afghanische Exilant in einer schäbigen Pension in Brüssel. Zur Abwechslung taucht eines Tages ein Fremder auf, der Bâbak bittet, ihm bei der Suche nach einem Verwandten zu helfen. Aber es zeigt sich schnell, dass der Fremde, dessen unangemeldete Besuche Bâbak zunehmend stören, noch andere Absichten hat. Als Mahner der Vergangenheit, stellt er Bâbak immer unangenehmere Fragen.
Es ist eine Reise, eine Reise zu sich selbst, die »The Crossing« erzählt. Der Fremde ist der Bote des Unangenehmen, den Bâbak zunächst ablehnt, und zugleich der Führer zum Kern der eigenen Geschichte. Dafür findet Hoppe derart hässliche Brüssel-Bilder, das Kenner der Stadt es schwer haben werden, sie wiederzuerkennen. Die Ödnis der Szenerien ist Sinnbild für das Innenleben Bâbaks, der seit seinem selbst gewählten Exil den Weg der Selbstverleugnung gegangen ist. Er befindet sich an einem Ort, wo er nicht hingehört. Er ist weder körperlich noch seelisch zu Hause. Dem langsamen Begreifen Bâbaks entsprechend zieht sich der Film elendig quälend dahin. Da gibt es eine Vielzahl an Szenen, in denen so gut wie nichts passiert, auch symbolische Aufladung sucht man vergebens. Es handelt sich nicht um ein Feiern der Langsamkeit, sondern um ein künstliches Zerdehnen des Geschehens. Das wird vor allem am Ende deutlich, wenn die Auflösung so simpel ist, das ich mich gefragt habe, welche großartige Erkenntnis ich jetzt gewonnen habe. Da war einfach kaum etwas und das ist für einen Film der so grüblerisch angelegt ist einfach zu wenig.




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