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Kritik: Save the Last Dance (2000)


Der Tanzfilm, eigentlich ein Relikt der 70er Jahre - und dortselbst untrennbar mit dem Namen John Travolta verbunden -, scheint derzeit eine Renaissance zu erleben. Gerade hat mit "Billy Elliot" der erste Überraschungserfolg des Jahres 2001 die Kinos verlassen, da kommt mit "Save The Last Dance" schon der nächste Vertreter des Subgenre. Die beiden Filme sind völlig unterschiedlich und haben doch eines gemein: Sie nehmen das soziale Umfeld in dem sie verwurzelt sind absolut ernst. Anders als bei "Saturday Night Fever" oder "Dirty Dancing" ist das proletarische Milieu bei "Billy Elliot" und überraschender Weise auch und gerade bei der Hollywood- (und MTV-) Produktion "Save The Last Dance" nicht nur pittoreske Staffage, sondern Ort ungeschönter und konfliktträchtiger gesellschaftlicher Realität. Die Gegensätze prallen hier gleich mehrfach aufeinander: Schwarz trifft auf Weiß, die Kleinstadt auf die Metropole und Hip Hop aufs klassische Ballett. Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter, kommt die junge Sara in eine für sie völlig fremde Welt. Sie zieht zu ihrem Vater mitten ins Schwarzenviertel von Chicago. In ihrer neuen Schule ist sie fast die einzige Weiße. Alles scheint hier vom Rhythmus des Hip Hop durchdrungen. Der schwarze Hip Hoper Derek macht Sara vertraut mit den Geheimnissen seiner Musik und des dazugehörigen Tanzes. Dabei erweckt er auch Saras verloren geglaubte Liebe zum Ballett wieder. Über den Tanz kommen die beiden sich näher und müssen feststellen, dass ihre Beziehung beim sozialen Umfeld auf heftigen Widerstand stößt. So wirft Dereks Ex-Freundin Sara vor, in fremden Gewässern zu fischen. Und Dereks Freund, der Straßengangster Malakai, hält auch nichts von der weißen Freundin seines Kumpels. So müssen Sara und Derek also beweisen, ob sie zueinander halten und ob ihnen ihre Träume etwas wert sind. Für Sara heißt dies, zu versuchen auf eine Ballettschule zu kommen und für Derek, sich von der Gewalt der Straße und falschen Freunden abzuwenden. Bei allen guten Ansätzen hinterlässt "Save The Last Dance" letztlich doch auch ein zwiespältiges Gefühl. Zwar ist man zunächst überrascht, wie stark der Film an Authentizität interessiert ist. Am Ende jedoch enttäuscht dann die Halbherzigkeit, mit der sie angegangen wird. Arg klischeebeladen und gelegentlich gar recht süßlich werden etwa die Rassenkonflikte (hier mal nicht aus New York, sonder aus Chicago) entwickelt. Auch ist der Gang der Geschichte - samt Konfliktaufbau und finaler Lösung - ziemlich vorhersehbar. Überraschenderweise ist es vor allem die Hauptdarstellerin Julia Stiles, die dem Film unerwarteten Glanz verleiht. Überraschend ist dies deshalb, weil sie in der ersten halben Stunde völlig unscheinbar mit ausdrucksarmen Allerweltsgesicht daherkommt. In dem Moment wo die Geschichte der von ihr dargestellten Sara Selbstbewusstsein, Durchsetzungs-und Einfühlungsvermögen zugesteht, gewinnt sie jedoch ungeheuer und kann einen Sympathiepunkt nach dem anderen verbuchen. Ferner erwähnenswert in diesem unterm Strich grundsoliden Film sind die eindrucksvollen Parallelmontagen mit denen "Save The Last Dance" eröffnet und schließt.




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