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Kritik: Blair Witch Project 2: Book of Shadows (2000)


Ein untrügliches Zeichen: wenn die US-Kritik gnadenlos auf eine Fortsetzung einprügelt, kann es sich nur um enttäuschte Liebe handeln. So kann man sicher sein, dass ein neues, oftmals besser funktionierendes Konzept die Presse vor den Kopf gestoßen hat.

Richtig: "Blair Witch 2", dessen "Book of Shadows" (Originaltitel) die angelsächsischen Rezensenten gleich wieder schließen wollten, verfolgt eine nicht unübliche Prämisse und macht das einzig richtige: Er rechnet mit dem Mythos des Originals ab und stellt alle Reisigbündel-Jünger bloß. Also eine gekränkte Reaktion Leichtgläubiger, die unsanft mit der Wahrheit konfrontiert wurden?

Offensichtlich, denn Regisseur Joe Berlinger, orientiert sich an "Scream" - und veranstaltet ein geschicktes und intelligentes Verwirrspiel mit den Ebenen von Wirklichkeit und Illusion. Durchgestylte Bilder von ausgesuchtem Charme und kräftiger Hardrock von Marylin Manson & Co., ein lebhaftes Erzähltempo und gutgelaunte Party-Teens sorgen für echtes Halloween-Feeling.

Kaum zu glauben: "Blair Witch 2" ist ein echter Spielfilm im Kinoformat mit Drehbuch. Und ein attraktiver Schmaus für die Sinne, in den sich hinterlistig der Horror schleicht. Besonders das Ende ist verstörend und dennoch durchdachter und weniger überzogen als derzeitige Gänsehaut-Schonkost. Das Potpourri mit einer angenehmen Portion Selbstironie und schlagendem Witz kann sich einfach sehen lassen - ohne Kopfschmerzen wie noch Teil 1 zu evozieren.

Fazit: Gelungene Fortsetzung, die die Aufregung um Teil 1 parodiert und mit Witz und intelligentem Drehbuch für attraktiven Gruselgenuss sorgt.

Robert Knapp


Den Erfindern des „Blair Witch“-Kultes haben wir es zu verdanken, dass es überhaupt möglich war, einen zweiten Teil zu drehen, der mehr ist, als ein billiger Abklatsch des Originalfilmes. Durch ihre, aus marketingstrategischen Gründen detailliert ausgearbeitete Historie um die titelgebende Hexe, haben sie zwei Dinge erreicht. Zum einen gaben sie den Drehbuchschreibern, Schauspielern und dem Regisseur des Sequels genügend Themen mit auf den Weg, die sie als Anhaltspunkte für ihren Film nutzen konnten, ohne dass sie auf das angewiesen waren, was nun tatsächlich in »Blair Witch Project« zu sehen war. Zum anderen war genau diese Vermarktungsstrategie dafür verantwortlich, dass sehr viele Menschen die Legende für bahre Münze nahmen und in Horden über Burkittsville, dem Ort wo alles seinen Ursprung haben soll, einfielen. Auch dieses Phänomen wird im Sequel aufgearbeitet.

„Blair Witch 2“ hat es deswegen nicht nötig, irgendwelchen Horror-Serien-Regeln zu folgen, da er sich den Schrecken, den die Charaktere im Kopf entwickeln, zu nutze machen kann. Der Film arbeitet über die ganze Strecke mit einem eher subtilen Grauen, dass vollkommen aus einem Spiel um Realität und Halluzination entsteht. Die Gruppe der Blair-Witch-Jünger zweifelt immer stärker an ihrer eigenen Wahrnehmung. Die Filmaufnahmen, die sie betrachten helfen ihnen auch nicht weiter, da gerade darauf seltsame Dinge zu sehen sind. In diesen Sequenzen ist „Blair Witch 2“ dem japanischen Meisterwerk „The Ring“, das auf dem Fantasy Filmfest 1999 zu sehen war, sehr nah, ohne es aber zu erreichen. Dennoch erzeugt der Film eine gelungen ungesunde Atmosphäre um den Zusammenbruch der Hauptfiguren, die zu einem bemerkenswert fiesem Ende führt. Einziger Wehrmutstropfen sind ein paar Szenen mit kleineren Splatter-Effekten, die aber als Fremdkörper wirken und den subtilen Horror eher unterlaufen.

„Blair Witch 2“ überzeugt mit kleinen Abstrichen durch seine ungemein spannende Machart sowie die intelligente Herangehensweise an den „Blair Witch“-Kult.






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