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Kritik: Alles Bestens (Wir Verschwinden) (2000)


Was die französischen Filme können, weiß man: Lebendigkeit vermitteln, authentische Charaktere zeichnen und die vielen kleinen menschlichen Schwächen des Alltags mit der Kamera einfangen. Sämtlicher Prädikate darf sich auch „Alles bestens – wir verschwinden“ brüsten, eine typische französische Tragikomödie nach altbewährtem Rezept. Während der ersten 45 Minuten wirft Regisseur Mourieras die ganze Palette französischen Humors und mediterraner Theatralik in die Waagschale, um ein gelungenes Porträt dreier ungleicher Schwestern zu entwerfen. Es sind die Kleinigkeiten, die Mourieras mit dem Charme eines Claude Sautet witzig und liebevoll unter die Lupe nimmt – sämtliche Figuren wirken lebensnah und bieten Identifikationsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Schon bald hat man die verschrobene Frauen-WG lieben gelernt, weshalb das plötzliche Auftauchen des einst sang- und klanglos verschwundenen Vaters (Michel Piccoli) auch für den Zuschauer wie ein Fremdkörper wirkt. Mit dem unverhofften Wiedereinzug des altersschwachen Patriarchen wendet sich auch dramaturgisch das Blatt, nun kommen alte Konflikte und Rivalitäten en masse auf den Tisch. Der Film erhält plötzlich eine dramatischere Note und mehr Tiefgang.
Es ist aber auch die zweite Hälfte, die einige Schwächen des Filmes in der Figurenzeichnung offen legt: Warum gerade das Nesthäkchen in der Familie dem lausigen Vater alle Missetaten ohne weiteres verzeiht, oder warum gerade business-woman Beatrice die Rolle des Chefanklägers übernimmt, bleibt bis zum Schluss ein ungelöstes Rätsel. Herrlich dagegen die Zeichnung des schwesterlichen Kommunen-Alltags, einer Rarität im deutschen Sujet. Jede der drei Frauen führt ein überzeugendes Eigenleben: wildes Aufbegehren, Angepasstheit und Eigenbrötlerei finden in jeder Schwester ein stilsicheres Zuhause und sorgen für den Facettenreichtum und die Unterhaltsamkeit des Filmes. Michel Piccoli ist wie immer ein Genuss, obwohl er in seinem etwas kurz gehaltenen Auftritt kaum zu voller Größe auflaufen kann. Dennoch: Alleine die schauspielerischen Glanzleistungen machen diesen Film zu einem Augenschmaus erster Sahne.





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