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Kritik: Jesus ist ein Palästinenser (1999)


Bizarr, skurril, wild und vor allem: amüsant - das ist "Jesus ist ein Palästinenser".
Ein Film, der die idyllische Hippie-Kommune Hollands aufs Korn nimmt, dem nichts heilig ist und der die Themen um fanatische Sektenanhängerschaft, Wiedergeburt, Piercing und Euthanasie zu einem lustvollen Ganzen vermengt.
Zugleich macht dieser ungewöhnliche Film aus dem Lande der Tomaten und der "glücklichmachenden Pflanzen" aber auch nachdenklich. Im Mittelpunkt steht der naive, schüchterne und liebenswerte Ramses, der sich für das alternative Klosterleben entschieden hat, und mit seinem Schwein und dem Gemüsegarten ein seliges Dasein genießt. Als seine materialistisch-eingestellte Schwester ihn mit der Nachricht über den bevorstehenden Tod ihres Vaters aus der Kommune lockt, wird Ramses allmählich aus seiner sorglosen "Lethargie"
wachgerüttelt: Er besucht seinen Vater im Krankenhaus, und muss hierbei feststellen, dass der durchaus noch Lebensgeist besitzt. Einer Erleuchtung gleich, beginnt Ramses zu verstehen, worum es eigentlich geht; er beginnt Verantwortung zu übernehmen, sich um den kranken Vater zu kümmern, und die resignierte Schwester an ihrem Sterbehilfe-Plan zu hindern.

Mal tragisch, mal urkomisch erzählt Regisseur Lodewijk Crijns in seinem Spielfilmdebüt von der Kraft des Glaubens, der Spiritualität und der Liebe.
Dass seine apokalyptische Religionssatire den Nagel auf den Kopf (... angesichts der Menge an Metall-Körper-Schmuck, die passende Metapher...) getroffen hat, liegt nicht nur an dem Millenniums-Endzeit-Fanatismus, dem Crijins gekonnt seine absurde Parodie entgegenstellt; auch seine Hauptdarsteller - der Filmstar Kim van Kooten und der Kabarettist Hans Teeuwen (die im wirklichen Leben ein Paar sind) - leisten ihren essentiellen Beitrag zur Groteske.

Bereits mit den erfolgreichen Fake-Dokumentationen "Lap Rouge" und "Kutzooi" hat Crijns sein Talent für groteske Szenerien unter Beweis gestellt.
Zwischen gepiercter Punk-Kultur und Glaubenskrisen siedelt er hier nun seine Geschichte an - eine Geschichte, die beweist, dass eben nicht nur Käse aus Holland kommt...





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