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Kritik: Die doppelte Nummer (2000)


Die Komödie ist ein System, dessen Regelbefolgung uns lachen lässt. Der Agententhriller presst uns hingegen vor Spannung in den Kinosessel. Wenn beide aufeinandertreffen, ergibt sich im besseren Fall eine herrliche Mischung aus Suspense und Komik, die hintergründig Klischees entlarvt wie „The Men who knew to little“ mit Bill Murray. Im schlechteren Fall bekommt man „Die doppelte Nummer“ präsentiert.

Hier stolpert ein schwarzer Wallsteet-Banker unversehens in die Machenschaften des mexikanischen Gutierrez-Drogenkartell hinein. Nachdem 106 Millionen Dollar merkwürdiger Herkunft aufgetaucht sind, sieht er sich plötzlich einem Mordverdacht ausgesetzt. Sein Begleiter Richtung Mexico, wo er sich Klärung erhofft, ist ein schwarzer Sprücheklopfer aus dem Ghetto, der irgendein mysteriöses Interesse an der Angelegenheit haben muss.

Spätestens nach zwei Minuten hasst man diesen seltsamen Begleiter genauso wie der Banker. Mit dümmlichen Sprüchen („Die ist so scharf, da klappt einem ja das Taschenmesser auf“) kalauert er sich durch die Handlung wie eine Light-Version von Eddie Murphys 80er-Jahre Rollen. Statt Klischees zu entlarven, ergeht sich der Film folglich in einer vollen Breitseite, indem er einen solchen coolen Ghetto-Schwarzen kreiert, der selbstverständlich Rhythmus im Blut hat und Hip Hop liebt. Trotzdem wäre der Film noch zu ertragen, wenn er nicht gleichzeitig auf dramaturgischer Ebene völlig versagen würde. Fein säuberlich trennt „Die doppelte Nummer“ seine komödiantischen Teile von Spannungs- sowie Actionelementen. Auf der ersten Seite etabliert er die klassische Konstellation des „Odd-Couple“, dass sich nicht leiden kann, aber dennoch zumindest unfreiwillig zusammen unterwegs ist. Ständig legen sich die beiden rein, wenn der Banker zum Beispiel unseren Sprüchelieferanten aus dem Zug wirft. Dabei dominiert vollständig eine Atmosphäre des Sich-Neckens, so dass vorangegangene Spannungselemente, wie der Mord an der Sekretärin des Bankers, in einer störenden Harmlosigkeit untergehen. Da das eine einlullende Wirkung hat, überraschen plötzlich auftretende Schießereien zwar, aber eine spannende oder gar Adrenalinfördende Wirkung geht von ihnen nicht aus. Zudem nervt der miese Schnitt der Actionszenen, wenn bei einer wilden Auseinandersetzung zwischen den Guten und Bösen ständig auf eine Sängerin der schäbigen Bar geschnitten wird, in der sich der Held kurz zuvor noch aufgehalten hatte. Die Schießerei greift weder auf die Bar über, noch hat die Sängerin irgendeinen Bezug zu Geschichte, noch singt sie ein besonders emotionales Lied. Es ergibt einfach keinen Sinn.

Den finalen Genickschuss gibt sich der Film passenderweise im Finale, wenn alle Beteiligten schneller die Seiten wechseln, als ein Maschinengewehr feuern kann. Das ist nicht spannend, nicht lustig und letztlich auch völlig uninteressant, weil es dazu führt, dass einem alles nur noch egal ist.

„Die doppelte Nummer“ verzettelt sich in den selbst aufgebauten Fallstricken der eigenen Dramaturgie, so dass eine unausgegorene Mischung aus Thriller und Komödie entstanden ist, die selbst als einziger Film auf Erden indiskutabel wäre.






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