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Kritik: Groove - 130 bpm (2000)


Der gelernte Cutter Greg Harrison gibt mit "Groove 130bpm" sein Regiedebut. Dabei gelingt es ihm durch hervorragenden Schnitt die Musik des Rave lebendig werden zu lassen. Nur ein wenig mehr Story oder auch so etwas wie Reflexion wären doch wünschenswert gewesen...
Das Phänomen Rave ist jetzt schon ein wenig in die Jahre gekommen. Man wartet direkt schon darauf, das es letztendlich abgelöst wird. Ich frage mich, warum es so lange gedauert hat, bis endlich mehr als nur ein paar Außenseiter auf die Idee kamen, über Raves einen Film zu drehen. Greg Harrison ist jetzt einer dieser aufkommenden Gruppe junger Filmemacher aus den USA, die dem Rave ein Denkmal setzen wollte. Leider bleibt es auch nur dabei. Der Rave wird zum Thema, nicht die Menschen, die ihn besuchen.
Das Problem von "Groove 130bpm" scheint es zu sein, dass der Film Menschen, die mit Raves nichts am Hut haben, wohl kaum etwas zu erzählen hat. Die Figuren werden alle gerade mal kurz angeschnitten, sollten wohl zu einem Episodenfilm zusammenkomponiert werden. Nur fehlt Harrison, der neben Regie auch Schnitt und Drehbuch übernommen hat, scheinbar ein näherer Kontakt zu den Menschen. Jedenfalls kommt es nicht einmal dazu, dass sich hier Klischees entwickeln könnten. "Groove" bleibt hierfür viel zu weit auf Distanz. Dazu muss man einfach sagen, dass diese Werbung für den freien Rave geradezu unglaublich naiv daher kommt. Wenn man auch manchmal ein paar Ansätze dazu vermuten möchte, so schaut "Groove" im Endeffekt kaum hinter die Fassaden. Harrison scheint selbst geblendet von den tollen Menschen und ihrer friedlichen Zusammenkunft. Ein wenig reflektieren sollte man als Drehbuchautor aber schon. Es wäre auch im Interesse der Raver gewesen, wenn man die ganze Party von mehreren Seiten beleuchtet hätte, das unbeschwerte Drogennehmen vielleicht auch ein wenig in Frage stellen würde. Außer ein paar wenigen Ansätzen, die im Keim aber erstickt werden, mag Harrison dies nicht bieten.
Am Ende aber zählt hier, wie bei jedem Musikfilm, vor allem, ob man die Musik mag, oder nicht. Zu den Stärken von Greg Harrison gehört mit Sicherheit, dass er als Cutter fähig ist, die Tanzszenen herausragend einzufangen. Hier entsteht der Eindruck, wirklich dabei zu sein. Gerade bei den Wechseln der (echten) DJs kommt so manchmal wirkliches Feeling auf. Somit dürfte der Film so manchem Raver als Hommage richtig gefallen. Andere die, wie ich, keine wahren Fans sind, dem Ganzen aber nicht wirklich negativ gegenüberstehen, vielleicht sogar selbst mal auf einem Rave waren, können sich den Kinobesuch auch überlegen. Der Rest sei gewarnt...




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