VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Texas Story (1999)


Die Mythen des amerkanischen Südens haben Filmemacher schon immer besonders gereizt. In letzter Zeit waren dies mal verklärende Auseinandersetzungen ("Mitternacht im Garten von Gut und Böse" - Clint Eastwood) oder sarkastische Zuspitzungen ("O Brother Where Art Thou?" - Coen Brüder). Der aktuelle Beitrag zum Thema hat von beidem etwas, wobei "Texas Story" mit seiner expliziten Thematisierung des Rassismus durchaus auch ein politischer Film ist. Texas in den späten 60er Jahren. Familie Whit hat sich zur Beerdigung ihres Patriarchen, Großvater Sparta, auf dem alten Familienbesitz versammelt. Hier wird jedoch kein gewöhnlicher Abschied gefeiert, denn die Whits sind alles andere als eine normale Familie. Mit dem obligatorischen Testament wird auch eine bittere Beichte des Verstorben verlesen, in der dieser sich zu einem schlimmen Verbrechen aus Eifersucht bekennt. Die fatale Enthüllung reißt eine ganze Reihe alter Wunden wieder auf, und der individuelle Schmerz nimmt rasch recht bizarre Formen an. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive des jüngsten Sprosses der schrägen Dynastie. Sparta trägt nicht zufällig den Namen seines Großvaters. Der Vater des Sechsjährigen möchte, dass sein Sohn in die Fußstapfen des Verstorbenen tritt und stolz diverse Familientraditionen fortführt. So wird zum Beispiel keine Gelegenheit ausgelassen, den Heranwachsenden an verschiedenen Schusswaffen auszubilden. Aber das Kind lässt es, zumindest nach Meinung seines Vaters, hier erheblich an der nötigen Begeisterung fehlen. Viel mehr interessiert er sich für spirituelle Kontaktaufnahmen mit seinen Vorfahren sowie für das letzte überlebende Exemplar der Kamelzucht, die die Whits seit üŸber 100 Jahren betreiben. Aber der junge Sparta ist weiß Gott nicht der einzige, der rund um das Begräbnis seines Großvaters seine Spleens auslebt. "Texas Story" ist eine Film, der von der ersten Minute an für sich einnimmt. Eine prächtige Kameraarbeit, die das raumgreifende Breitwandformat stimmig nutzt sowie das höchst skurrile Personal wecken unmittelbares Interesse. Im Laufe der Geschichte entfaltet sich dann für den Zuschauer ein ganz eigener Kosmos, der zwar im tatsächlichen Texas fußt, sich jedoch stark aus der mythischen Überhöhung des amerikanischen Südens speist. Gerade in der ersten Hälfte gelingen dem Autor und Regisseur William Blake Herron eine Fülle origineller Regie- und Drehbucheinfälle. Ein paar Mal droht der Film gar in eine schrille Nummernrevue abzugleiten, was dann auf Kosten der Charaktere geht. Da jedoch die Grenzen von Traum und Wirklichkeit sowieso ständig verschwimmen, fällt dies nicht allzu sehr ins Gewicht. Störender ist da schon, dass mehrfach grotesk-komische Darstellungen von Rassismus durch allzu politisch korrekte Erklärungen und Relativierungen brav geglättet werden. Hier hätte der Film sich durchaus etwas mehr Vertrauen in das Differenzierungsvermögen des Publikums leisten können. Dann wäre man auch durchaus geneigter, den gelegentlichen Mangel an Tempo und dramaturgischer Stringenz zu übersehen. All dies sind allerdings nur kleine Einwände, die "Texas Story" lediglich daran hindern ein Meisterwerk zu sein.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.