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In the Mood for Love
In the Mood for Love
© Universum Film

Kritik: In the Mood for Love (2000)


Na wer sagt`s denn, zum Abschluss eines eher durchwachsenen Kinojahres kommt doch noch ein Film in die Kinos, der allen Glanz der Kinematographie in sich vereint und widerspiegelt und pure Filmkunst auf selten erreichtem Niveau bietet. Mit "In The Mood For Love" hat sich Wong Kar-wai einen Platz im ewigen Kinoolymp gesichert.
Mit seinen rasanten, hypermodernen Großstadtfilmen ist der Hongkonger Filmregisseur in den 90er Jahren zu einer Kultfigur des internationalen Kinos geworden. Seine Filme wurden auf den weltweit wichtigsten Festivals mit Preisen überschüttet. Wong Kar-wais neuestes Meisterwerk besticht ebenfalls durch eine innovative Bildsprache, kommt aber wesentlich ruhiger und poetischer daher als seine früheren Filme. "In The Mood For Love" ist eine melancholische Liebesgeschichte.
Hongkong in den frühen 60er Jahren. Der Zeitungsredakteur Chow zieht mit seiner Ehefrau in eine neue Wohnung in einem etwas beengten Haus. Dort begegnet er Lizhen, einer wunderschönen jungen Frau, die ebenfalls mit ihrem Mann gerade dort eingezogen ist.
Während ihre Ehepartner ständig unterwegs und selten zu Hause sind, begegnen sich Chow und Lizhen von nun an fast täglich. Zusammen mit den Vermietern wird Mahjong gespielt oder der neueste Klatsch ausgetauscht. Chow und Lizhen werden Freunde. Ihre Beziehung ändert sich, als sie entdecken, dass ihre Partner ein Verhältnis miteinander haben.
Die beiden Betrogenen schlittern nun ihrerseits in ein verwirrendes Liebesspiel. Ihr Umgang miteinander schwebt zwischen Realität und Vorstellung und schwankt zwischen Liebe, Erotik und Verzweiflung.
"In The Mood For Love" ist über seine 90 Minuten ein einziger Traum vom Kino. Nicht mal unbedingt vom Erzählen in bewegten Bildern. Das Narrative steht bei dem allzeit poesievoll schwebendem Film nicht im Vordergrund. Vielmehr vermittelt er seine feinfühlige Geschichte ganz über Stimmungen und Zwischentöne. Dem Film merkt man an, dass bei seiner Entstehung, entsprechend der Herangehensweise des Regisseurs, die unmittelbare Umsetzung eines Drehbuchs nicht im Vordergrund stand. Wong Kar-wai liebte schon immer die Improvisation beim Dreh - wobei er sich stets auf die Inspiration seines genialen Kameramannes Christopher Doyle verlassen konnte - und die Spontanität am Schneidetisch. Ein bisschen funktioniert der Film so, dass er Bilder, und zwar solche von exquisiter Schönheit und Eleganz, anbietet und sich die Geschichte dazu im Kopf des nur von lockerer Hand geführten Betrachters konstituiert. Überhaupt steht das gesamte filmsprachliche Vokabular von "In The Mood For Love" auf höchstem Niveau. Und immer wieder überrascht der Regisseur mit inszenatorischem Raffinement, das sich freilich nie selbstgefällig in den Vordergrund drängt. So kommt z.B. die in Hongkong übliche und auch von Wong Kar-wai geschätzte Zeitlupe kaum bei dramatischen oder emotional zugespitzten Situationen zum Einsatz, sondern viel eher bei scheinbar alltäglichen Nebensächlichkeiten. Das i-Tüpfelchen auf diesen Geniestreich setzt dann noch der wunderbare Soundtrack, der einen elegischen Score mit einigen traumhaften Coverversionen lateinamerikanischer Klassiker von Nat King Cole verbindet.





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