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Kritik: Fast Food, Fast Women (2000)


Amos Kollek, dem in New York lebenden und arbeitenden israelischen Regisseur mit dem sympathischen Interesse an alltäglichen Geschichten und Charakteren, wäre sicher so einiges zuzutrauen gewesen, aber wohl zuletzt eine fröhlich beschwingte Großtadt-Komödie mit märchenhaften Zügen. Allzu bedrückend und düster waren die letzten beiden Werke Kolleks, „Sue „ und „Fiona“, in denen er mit seiner Lieblings-Schauspielerin Anna Thomsom die Schattenseiten der urbanen Existenz durchdeklinierte. Außer der Hauptdarstellerin hat der Regisseur nicht viel in seinen neuen Film hinübergenommen. Und auch hier prägt Anna Thomson erneut einen Amos Kollek Film mit der ihr eignen intensiven Präsenz, die freilich diesmal nicht verstört, sondern bezaubert.

Thomson spielt die notorisch überarbeitete Kellnerin Bella, eine leicht spleenige Großstadtblume mit dem Herz am richtigen Fleck. Ohne Erfolg versucht sie die Gedanken an ein bevorstehendes Jubiläum, ihren fünfunddreissigsten Geburtstag, zu verdrängen. Aber auch mit anderen Lebensumständen hadert sie. Vor allem mit der unbefriedigenden Beziehung zu einem verheirateten, zwanzig Jahre älteren Mann, der einmal die Woche auf einen Quickie vorbeikommt. Über der schalen Routinebeziehung droht sie ihrem Traum von Familie und Kindern aus den Augen zu verlieren.

Eines Tages lernt sie den etwa gleichaltrigen Bruno kennen. Der fährt Taxi, da seine eigentliche Berufung, die Schriftstellerei, nichts abwirft. Um Bruno nicht zu verschrecken, gibt sich Bella betont cool und abgeklärt und wird gar nicht müde zu insistieren, für wie überflüssig sie Kinder hält. Damit versetzt sie Bruno einen harten Schlag, denn er findet Bella zwar unwiderstehlich, hat von seiner Ex. aber gerade zwei Kinder aufgebürdet bekommen.

Aber nicht nur Bella und Bruno hadern mit dem Schicksal. Auch zwei von Bellas Lieblingsgästen, ältere Herren jenseits der sechzig, verstricken sich in ihrer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit in immer komplexere Gefühlswirrnisse. Der schüchterne Witwer Paul hat auf eine Anzeige der lebenslustigen Witwe Emily geantwortet und weiß nun, da die fidele Dame zu allem entschlossen vor ihm steht, kaum wie ein Anfang zu machen sei.

Und Pauls Freund, der alte Seymour, scheint, nicht minder liebestrunken, gar in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Sein konzentriertes libidinöses Interesse gilt der Stripperin Wanda. Tatsächlich schafft er es, das Mädchen, sie könnte durchaus seine Enkelin sein, auch außerhalb ihres zwielichtigen Arbeitsplatzes zu treffen und zu umwerben.

Ein deftiger Beziehungs- und Liebesreigen ist es also, der sich da zwischen einem halben Dutzend eher verhuschter Großstadtkinder unterschiedlichsten Alters entfaltet und der gegen Ende in immer märchenhaftere Gefilde gleitet.

Geradezu anrührend ist bei alledem die liebevolle Betrachtung mit der der Regisseur und Autor sein schrulliges Personal umhegt. „Fast Food Fast Women“ ist eine durchweg amüsante und allzeit herzerwärmende Großstadtkomödie voller stimmiger Episoden. Und lehrreich ist der Film darüber hinaus. Nebenbei gibt es nämlich eine wunderbare Lektion in Sachen Rücksichtnahme auf den Partner: Papierrascheln beim abendlichen Zeitunglesen im Bett kann vermieden werden, indem das Blatt vorher mit einem Pfanzenzerstäuber befeuchtet wird.






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