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Kritik: Oi! Warning (1999)


Ein junger Deutscher auf der Suche nach seiner Identität, verpackt in ein bilderstürmendes Skinhead-Drama? Warum nicht, dachten sich die Reding-Brüder und sorgten mit ihrem Debütwerk für Furore auf internationalen Festivals. Lob und Preise waren die Folge. In der Tat besticht das den Gesellschaftsnerv treffende Drama durch formale und inhaltliche Ausgefallenheit.

Schwarzweiße Bilder prallen wuchtig auf ein mitreißendes Erlebnis, das nicht nur ein klassisches Coming-of-Age - das Erwachsenwerden - beschreibt, sondern auch von Oi-Skins und Punks erzählt. Dass Oi-Skins nicht mit der Ideologie des Neo-Faschismus, sondern mit Deutschrock und Bierkrugstemmen beschäftigt sind, raubt dem Film sowohl politische Bedeutung, als auch Aussagekraft jenseits dramatischer Grenzen. Brennende Überzeugungsreden wie in "American History X" fehlen folglich (obwohl eine markante Szene exakt kopiert wurde), stumpfsinnige Gewalt wie in "Romper Stomper" blitzt nur kurz auf.

Made in Germany: Die Themenkombination und ihre Umsetzung ist einmalig - doch keinesfalls kritiklos anzuerkennen. Zwischen Riefenstahl und Indie-Look, Authentizität und Verfremdung pendeln die Bilder, und sind damit so uneinheitlich wie der überladene Plot. Dass Skinheads - allesamt bierselige Gehirneinzeller - außer Koma (sic!) eindimensional skizziert werden, raubt der Grundaussage, Rechtsradikalismus sei destruktiv, viel argumentative Kraft.

Wenn Janosch mit dem im Dreck badenden Punk Zottel per Zungenkuss seiner homosexuelle Neigung nachkommt, ist nur einer von vielen Aspekten angesprochen, die weder vertieft noch in die Handlung integriert werden. Letzlich hat mich "Oi! Warning" nur als unkonventionelles, teils außergewöhnliches Jugend- und Freundschaftsdrama überzeugt: Die emotionale Lösung Janoschs von seinem "Vorbild" Koma und das große Opfer seiner eigenen Feigheit.

Fazit: Ausgefallenes Spagat zwischen Jugend-Drama und Skinhead-Tragödie, das trotz inhaltlicher (Über-)Fülle und inhomogener Bebilderung ein sehenswertes Erlebnis bleibt.





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