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Kritik: Lost Sons (1999)


Der Fall Hasselbach war wohl die spektakulärst-mögliche Vorlage für eine Doku über das vieldiskutierte Neonazi-Problem. Die Wahl des Beispiels zeugt jedoch auch von Ausgewogenheit, prallen doch mit dem kommunistischen Vater und dem nazistischen Sohn zwei politische Extreme aufeinander, die sich in der Logik der Realität wie in der des Films nur in der Zelle treffen können. Überaus klar und stringent streicht der Filmemacher Frederick von Krusenstjernas in zahlreichen Gesprächen und atmosphärischen Beobachtungen den psychologischen Eigennutz extremistischen Denkens heraus und vergisst nicht, das neonazistische Gedankengut als eine im deutschen Sinne besonders makabre Form der persönlichen Problembewältigung herauszustellen. Indem Krusenstjernas die rechtsradikale Szene durch die Brille des überzeugten Aussteigers Hasselbach betrachtet, erübrigt sich jede Notwendigkeit von Beweisen anhand üppiger Zeugen- und Opferaussagen. Noch feinsinniger erscheint Krusenstjernas Fokussierung des Vater-Sohn-Konfliktes, der das Phänomen extremistischen Denkens auf die persönlich-private Ebene überführt, ohne sich auch nur im geringsten dem Verdacht der Verharmlosung auszusetzen. Gerade die Kulisse des Familienkonflikts mit den typischen Momenten aus Ablösung, Generationenkonflikt und politischen Reibungen macht letzten Endes die Unsinnigkeit und Oberflächlichkeit rechtsextremistischen Denkens als einer politischen Farce mit brutalen Folgen deutlich. Geschickt legt der Film seinen Schwerpunkt auf die verzweifelte Suche des jungen Ex-„Gauleiters“ nach Normalität, wobei das Schema des „verlorenen Sohns“ als Leidensmotiv die Regie übernimmt.
In seiner feinfühligen Schilderung des schwierigen Wechselbades von Distanz und Nähe zwischen Vater und Sohn gelingt dieser Dokumentation die Gratwanderung zwischen Familiendrama und politischem Manifest – empfehlenswert!




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