VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Krabat (1977)


Was für ein kalkulierendes Marketing-Monstrum sich hinter der unerträglich freundlichen Maske des Disney-Konzerns verbirgt, ahnt manch einer längst. Wie dreist der stilistische Animations-Monopolist seine dürftigen Storys mit Kitsch und (visueller) Augenwischerei zuklebt, wird erst wieder klar, wenn man einem wirklich gelungenen Kindermärchen beiwohnt.

Richtig, "Krabat" ist eine Perle. 23 Jahre alt und noch ungeöffnet in der Auster. Seine Wiederaufführung ist eine echte Entdeckung, das letzte Werk des leider bereits 1989 verstorbenen tschechischen Zeichentrickmeisters Karel Zeman. Nach einem sorbischen Märchen und der Vorlage des zu Recht vielfach ausgezeichneten Kinderbuchautors Otfried Preußler ("Der Räuber Hotzenplotz", schon vergessen?) strickt Zeman eine augenblicklich fesselnde Geschichte, die diesen Namen auch wirklich verdient.

Der faustische Pakt mit dem Bösen, finstere Wälder, drohender Tod, jahrelange Sehnsucht nach Erlösung, Krieg im Hintergrund, die Kraft der Liebe: alles dramatische Motive, die weder von quirligem Unfug noch bunten Witzfiguren torpediert werden. Der sorgfältige (musikalische, inhaltliche wie farbdramaturgische) Stimmungsaufbau ist also Trumpf, ebenso eine unaufdringliche Animation, die ihre Stärken dennoch nicht verbirgt. Zeman beherrscht sein Metier virtuos: die Farben sind diskret, die Bilder einfach, doch um so eindrucksvoller. Sie sind von ausgesuchter, nahezu magischer Erhabenheit und verlassen an dramaturgischen Höhepunkten die "Realitätsebene", um die dämonische Zaubermacht widerzuspiegeln. Dennoch liegt der bekömmliche Grusel nicht im Film, sondern in der Geschichte.

Ohne im Wahn der Nostalgie Zemans Handarbeit verklären zu wollen: trotz oder gerade deshalb wirken Mühle und Wälder an der Lausitz echter als in manchem Spielfilm - als in hyperealen Deep-Canvas-Dschungeln sowieso. Die größte Tugend jedoch stellt die Pädagogik ohne Zeigefinger, die Disney vermutlich nie gelingen wird. Und über all dem liegt die gefasste, traurige Erzählstimme der Hauptfigur. Wenn sich am Ende das Credo, dass die Liebe stärker als alle Zaubermacht ist, offenbart, wird man unabhängig seines nominellen Alters im Herzen wieder jung - als hörte man zum ersten Mal ein Märchen der Brüder Grimm.

Fazit: Wiederaufführung einer fast vergessenen Perle - ein altmodisches, mitreißendes und stimmungsvolles Kindermärchen für jedes Alter





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.