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Kritik: Buenos Aires - postlagernd (1999)


Als vielleicht der echteste aller Pöllmann-Streifen erhielt dieser vierte Spielfilm des deutschen Filmemachers etliche Vorschuss-Lorbeeren. Und gerade was das Prädikat "Echt" angeht, so scheinen diese gerechtfertigt: In den drei Hauptrollen reflektiert der Regisseur mehr oder minder unverfälscht über sich selbst und sein Familienleben. Dass seine talentierte Frau und die ebenso kamerataugliche Tochter nun im wahrsten Sinne des Wortes die Rolle ihres Lebens spielen, gibt dem Werk eine unvergleichlich authentische Note. Hinzu kommt die vergleichsweise einfache Digital-Technik, die im Verzicht auf aufwendige Kamerakniffe und monumentale Einstellungen den Film zusätzlich in ein dokumentarisches Flair taucht. Was die Story selbst angeht, so ist diese mit ironischen Seitenhieben auf die deutsche Doppelmoral gespickt: Ein windiger Geschäftsmann nimmt mit List und Tücke sorglose ältere Kunden aus, gönnt sich aber auf der anderen Seite ein exotisches Privatleben mit einer attraktiven Südamerikanerin an der Seite. Dass eine solche Rechnung nicht einmal im Film aufgehen kann, ist nur ein moralischer Fingerzeig Pöllmanns auf ein Stück deutscher Doppelmoral. Doch mit sozialkritischer Belehrung ist es in dem Film beileibe nicht getan, bietet doch Pöllmann Lösungsversuche an. Die Flucht seiner Frau ins heimatliche Buenos Aires zwingt den profitgeilen Winkeladvokat zum Umdenken – ein langwieriger Prozess, in dessen Verlauf Pöllmanns alter ego Stück für Stück nicht nur seine Frau, sondern auch sein eigenes berechnendes Ego kennen lernt – ein unverschnörkelt gezeichneter Selbsterfahrungstrip, dem es auch nicht an der nötigen Komik mangelt. So wird aus dem Köder einer versprochenen Villa rasch ein Gartenhäuschen – eine Behausung mit hohem Symbolwert, hat sich der Film doch auch einer Abrechnung mit der deutschen Schrebergarten-Mentalität verschrieben – womöglich eine versteckte Selbstanklage, die allerdings auf ihrer Gratwanderung zwischen Zynismus und Humor nie die nötige Balance verliert.




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