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Kritik: El Acordéon del diabolo (2000)


Die große Stärke von Dokumentarfilmen ist ihre Fähigkeit, ferne Welten, Wirklichkeiten und Schicksale in unser Bewusstsein zu holen. Auch wenn es den objektiven Blick auf ein Thema nicht geben kann, vermitteln die besten Beispiele ein großes Maß an Authentizität. Sie bilden die Wirklichkeit nicht ab, aber sie nähern sich ihr so gut wie möglich an. Stefan Schwieterts Film "El Acordéon del Diablo" leistet auf diesem Gebiet Großes. Ohne übertriebene Mätzchen fängt er die Lebensgeschichte des Akkordeonspielers Francisco "Pancha" Rada ein. Er entführt uns in die musikalische Welt Kolumbiens, deren atmosphärische Stimmung dem Film ausgezeichnet bekommt. Das Akkordeon besitzt hier eher Seltenheitswert.

Sozialkritischen Töne lässt Schwietert außen vor. Es wäre aber falsch, dem Film das vorzuwerfen, da das Thema die Musik und die Liebe ist, mit der sie entsteht sowie gepflegt wird. Ganz heimlich schafft es "El Acordéon del Diablo" durch seinen gefühlvollen Blick auf das kreative Treiben, selbst Teil der Szenerie zu werden. Ihm gelingt das, woran Wim Wenders bei "Buena Vista Social Club" noch gescheitert war. Fehlte Wenders die Inspiration, die Pausen zwischen den musikalischen Auftritten seiner "Helden" mit treffenden Charakterisierungen Cubas oder der Musiker zu füllen, besitzt Schwietert ein besser ausgeprägtes Gefühl für die Menschen, denen er sich gewidmet hat. Er lässt seine Kamera von ihnen gefangen nehmen. Auf diese Weise schafft er es, sich ihnen auf geradezu intime Weise zu nähern, so dass der Zuschauer jederzeit das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein.

"El Acordéon del Diablo" ist ein atmosphärischer Film über einen großen Musiker, dessen Kunst beeindruckend eingefangen wird. Er atmet Noten und wir auch.





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