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Kritik: Where a Good Man Goes (1999)


In einem Interview hat Johnnie To einmal erklärt, dass er Helden sehr mag. Ihm gefällt es, wenn seine Protagonisten im fairen Kampf nach einem Ehrenkodex für ihre Sache kämpfen. Variationen dieser Art findet man in sehr vielen seiner Filme, so zum Beispiel auch in den hierzulande erschienenen „The Mission“ sowie „Running out of time“.

„Where a good man goes“, zeitlich vor den beiden entstanden, stellt so etwas wie den heldenhaften Anti-Helden in den Mittelpunkt. Die Hauptfigur ist ein Ex-Triade, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und aussteigen möchte, weil er da auch nicht wieder hin möchte. Seine Umgangsformen in dem kleinen Hotel, wo er Zuflucht gesucht hat, sind nicht gerade so, dass einem die Figur von Anfang an sympathisch wäre. Das Drehbuch vermag es aber durch geschickte kleine Episoden zu erreichen, dass der Eindruck nach und nach gebrochen wird, nur um dann doch wider Zweifel zu säen. Damit erschafft es eine ambivalente Figur durch und durch, die nicht nur gegen die Polizei, welche seine Absichten für vorgetäuscht hält, und gegen missgünstige Triadenkollegen, sondern auch ihren Weg in die Sympathie der Zuschauer kämpfen muss.

Die Schwierigkeit des Aussteigens aus einer kriminellen Organisation zeigt „Where a good man goes“ auf eindringliche Weise. To variiert hier seine Heldenfigur, indem er einen einfachen Menschen zeigt, der gezwungen ist für seine eigene Integrität, auch Gewalt anzuwenden. Die Logik der Aggression entpuppt sich als unsteuerbares Wesen mit Eigendynamik. Der Held wird zum Sinnbild gegen eine Welt, die ohne ihre Rituale zusammenbrechen würde. Sowohl Triaden als auch Polizei können den Aussteiger nicht in Ruhe lassen, weil sonst die Schlachtreihen der Ordnung zu nach innen gekehrten Dolchen ihrer Befehlshaber würden. Dem stellt To mit Hilfe der Hauptfigur einen Gegenentwurf vor die Nase, der in seiner Rückbesinnung auf Fürsorge sowie Gewaltfreiheit eine geradezu humanistisches Ideal predigt.

Geschickte Variation des Aussteiger-Themas, das Johnnie To für eine intensive Bestandsaufnahme einer degenerierten in ihren Klischees erstarrten Welt nutzt.






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