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Kritik: Heidi M. (2001)


Wenn sich das wirkliche Leben ungeschönt auf der Leinwand spiegeln soll, schwebt der Schatten Rainer Werner Fassbinders über jedem deutschen Film. Auch Michael Klier ("Ostkreuz"), der nach zehnjähriger Pause zum Kino zurückkehrt, bleibt den Wurzeln des einflussreichen Regisseurs treu. Seine betont nüchterne Bestandsaufnahme einer Berliner Existenz schildert deren illusionslose Lebensumstände als Allegorie auf die Wiedervereinigung. Als wäre John Cassavetes mit den Stilmitteln der Nouvelle Vague in einen vergessenen Stadtteil der Hauptstadt gereist und hätte sich in seine Hauptperson hineingeschraubt - so wirkt "Heidi M." in seinen besten Momenten. In den - überwiegenden - schwächeren Abschnitten kann man sich vergewissern, dass diese Art von Dokumentarismus insbesondere dann deprimiert, wenn der Alltag zäher und unspektakulärer dargestellt wird, als er selbst im echten Leben ist. Dann drücken die tristen, grobkörnigen Bilder aufs Gemüt, Fassbinders erbarmungslose Intensität und die Leichtigkeit der Nouvelle Vague verflüchtigen sich. Nur die präzise Beobachtungsgabe von Cassavetes und die trübe Stimmung überdauern die Spielzeit unbeschadet. Ist ja auch was - aber für einen Kinobesuch denkbar wenig.




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