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Kritik: Null Uhr Zwölf (2001)


Bernd Michael Lades Film kann sich das Verdienst ans Revers heften, die komplette, in Düsseldorf versammelte Journalistenschar mit dem Rätsel zurückgelassen zu haben, welche Handlung er hat. Selbst wenn man die Angehörigen der schreibenden Zunft für nur durchschnittlich intelligente Menschen hält, wird man zu dem Schluss kommen, dass das ungewöhnlich ist.

Die Wahl des Genres, es geht – zumindest soviel ist klar - um den Überfall auf einen Geldtransporter, scheint eher für eine gradlinige Erzählung geeignet zu sein. Wie sonst wollte man die Logik des Planes, den sich ein brillantes verbrecherisches Gehirn ausgedacht hat, spannend auskosten. Entsprechend ist „Null Uhr 12“ auch nicht eine Minute spannend, sondern höchst verschlungen, wenn er ungeachtet der logischen Löcher in etwa folgende Geschichte erzählt: Ausgehend von dem Gedankenspiel eines Überfalls auf einen Geldtransporter, beginnt „Null Uhr 12“ das Leben fünf unbedarfter Menschen zu zeigen. Da gibt es den hoffnungslos Glücksspielabhängigen, eine Programmiererin, einen phlegmatischen Reinigungsgeräte-Vertreter, einen Taxifahrer, der früher Kriegs-Fotograf war und eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die als Kellnerin arbeitet. Unvermittelt geraten sie ins Blickfeld einer Spezialtruppe der Polizei, wodurch alle fünf zu privaten Befreiungsschlägen ihrer festgefahrenen Situationen ausholen.

Wenn die ganzen Absurditäten Absicht sind, dann ist das Kunst. In zwei jeder Beschreibung spottender Szenen tauchen zwei derartig lächerlich chargierende Schwule auf, dass sie fast als satirische Beschreibung gängiger Klischees durchgehen. Ein Verrückter muss unbedingt verrücktes Zeug erzählen, damit er als solcher erkennbar ist, in der Nervenheilanstalt müssen zwei Pfleger einen hysterisch fliehenden Insassen verfolgen, damit wir wissen wo wir sind und der Vertreter muss dermaßen dämlich vorgehen („Sie haben aber einen dreckigen Teppich“), damit wir an seine Erfolglosigkeit glauben. Dies alles lässt in Verbindung mit dem kruden Handlungsverlauf nur den Schluss zu, dass Bernd Michael Lade entweder unfähig ist oder aber eine künstlerische Auseinandersetzung über die fatalistische Wirkung der einen schicksalhaften Sekunde im Sinn hat, wobei er die grelle Überzeichnung unserer Gesellschaft als Stilmittel benutzt.





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