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Kritik: Kurt Weill - Stationen eines Künstlerlebens (2001)


Hier wird ein aufregendes Leben bieder präsentiert. Traurig ist das. Dennoch ist das Porträt nicht völlig belanglos - Kurt Weills Musik leuchtet selbst in dieser Sepia-Ödnis.
Herr Dr. Schebera ist ein netter älterer Herr und ohne Zweifel ein Kenner von Weills Werk und Leben. Ein Dokumentarfilm, zumal im Kino, ist jedoch kein Referat; das Vorlesen sämtlicher biographischer Zusammenhänge im Off ermüdet.

Milvas rotes Haar ist der erste Farbklecks. Ihr Auftritt ebenfalls. Und Kathrin Angerer muß man einfach bewundern: Sie wird in einer peinlichen Weise inszeniert - Dr. Schebera rudert sie über den See, den Kurt Weill und Lotte Lenya einst gemeinsam überquerten (und, wie es die Legende will, sich dabei verliebten), das Ganze in hellbräunlich. Trotzdem singt sie mit Lust, Schmerz und Charme "Surabaya Johnny". Anderen Interpreten wird es ähnlich schwer gemacht. Das Wilhelm Breuker Kollektiv scheucht man zwischen Bäumen herum (damit wird auf dem "train"-Motiv herumgetrampelt). Udo Lindenbergs Auftritt schließlich ist von sich aus schlecht: Routinemäßig leiert er schnoddrig den Text von "Mackie Messer" herunter. Im Fernsehen wird dies vermutlich komisch rüberkommen, auf der großen Leinwand wirkt es lediglich unangenehm deplaziert.
Nur einer verleiht in diesem Film einem Weill-Song dem ihm angemessenen Charme, Witz und auch Leidenschaft: Blixa Bargeld singt den "Bilbao-Song". Arrogant, verrucht, betörend.

Clips von alten Filmaufnahmen entschädigen für einiges. Andererseits: Lotte Lenyas "Seeräuberjenny" aus dem Film "Die Dreigroschenoper" (Georg Wilhelm Pabst, 1931) ist, je nach Rezipient, Bildungs-/oder Gänsehautklassiker. Da kann man nichts falsch machen. Ginger Rogers im bonbonfarbenen US-Musical ist ebenfalls allerliebst.

Kurt Weill jedoch bleibt durch diese blutarme Collage blaß. Die Zeitzeugen haben zu wenig Zeit. Nur ihnen ist jedoch zu verdanken, dass überhaupt Bruchstücke von Weills Persönlichkeit, außerhalb von Musik und Ehewirrungen, erahnt werden können.

Allen Weill-Anfängern und Anhängern sei hier der Film "Septembersongs" (Harry Weinstein, 1995) empfohlen.






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