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Kritik: Little Senegal (2001)


Das Sklavenmuseum der Insel Gorée. Museumsführer und Witwer Alloune (Sotigui Kouyate) begibt sich in den Ruhestand und beschließt, sich im hohen Alter auf die Spuren seiner Vorfahren zu machen. Die hatten ihre Heimat einst unfreiwillig und für immer verlassen. Europäer hatten Millionen Afrikaner vor zwei Jahrhunderten nach Amerika - in die so genannte "Neue Welt" - verschleppt.

Eben diese zweihundert Jahre später reist Alloune in die Vereinigten Staaten. Er verlässt die Stätte der Vergangenheit, den Ort wo alles begann. Wie seine Vorfahren reist er mit dem Schiff, doch reist er als freier Mann.

In Little Senegal, einem afrikanischen Wohnviertel mitten in Harlem, enden Allounes Recherchen, und es endet auch seine Reise. Er ist angekommen. Seine Kusine Ida (Sharon Hope) lebt und arbeitet hier. Doch bevor Alloune sich ihr preisgibt, will er den Menschen Ida kennenlernen. Seine Kusine betreibt einen kleinen Kiosk in einer mehr oder weniger belebten New Yorker Straße.

Ida lässt sich von dem alten Mann überreden, ihn für sich jobben zu lassen. Zwei Menschen mit gemeinsamer Vergangenheit lernen sich in der Gegenwart kennen. In dieser ist es Allounes erklärtes Ziel, seine Familie wieder zusammenzuführen. Doch das ist leichter gewünscht als getan. Denn im New York der Gegenwart herrschen ganz andere Probleme als im Senegal der Vergangenheit. Und mit diesen muss sich Alloune zunächst beschäftigen…

Regisseur Rachid Bouchareb zeichnet ein Bild, in dem ein Afrikaner seine afroamerikanischen Landsleute mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Er tut dies verwoben mit einer liebevollen Geschichte voller Poesie und Wärme. Ein ruhiger und tiefsinniger Film, der die schicksalhafte afrikanische Vergangenheit spüren lässt, ohne sie in laufenden Bildern zu zeigen.

Menschliche Kälte und menschliche Wärme, Gewalt und Liebe, Vergangenheit und Gegenwart - Kontraste werden geschickt miteinander verflochten. Bouchareb gelingt darüber eine Aufarbeitung ohne falschen Pathos.

Die Darsteller wirken angenehm bescheiden und doch präsent. Ein engagiertes Ensemble, das nichts und nie übertreibt. Ähnlich ungeschminkt wirkt New York als Stadt, ganz ohne jeglichen Glimmer und Glanz. Ein realistischer Film. Fast dokumentarisch - wohl weil man sich wünscht, dass solche Geschichten wahr wären.






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