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Kritik: Moro No Brazil (2002)


Ein kühler Finne entdeckt das heiße Brasilien. Mit diesem Klischeesatz ist Mika Kaurismäkis Musikdokumentation über die Straßenmusik des südamerikanischen Landes recht gut beschrieben. In einem Prolog erzählt Kaurismäki wie er als junger Mann eine LP gegen eine Platte mit brasilianischer Musik tauschte, woraufhin er den Plan schmiedete, ins Land am Zuckerhut auszuwandern. Das Unternehmen scheiterte jedoch an einem Matrosenstreik. Jahre später wird sein Traum Wirklichkeit und der Finne reist dorthin, um den musikalischen Wurzeln der traditionellen Musik Brasiliens nach zu spüren.

„Moro no Brasil“ folgt der Fahrt Kaurismäkis durch verschiedene Regionen des Landes, wobei sich der Blick des Interessierten zum Blick des Leidenschaftlichen wandelt. Zu Beginn werden die einzelnen Stationen lediglich abgehakt. Wir sehen nacheinander ein paar Musiker, deren Werk der Film nicht miteinander in Beziehung setzt. Hier fehlt Kaurismäki noch der kulturelle Bezug, den er erst im Laufe seiner Entdeckungsreise gewinnen wird. Dementsprechend beliebig wirkt es, wenn er noch einen Abstecher zu einem Musiker zeigt, dessen inhaltlicher Gehalt aufgrund der filmischen Kürze nicht deutlich wird. Nach und nach gewinnt „Moro no Brasil“ an Substanz. Mit steigendem Verständnis für die Musik beginnt auch der Film, Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Urformen herzustellen. Ganz im klassischen dokumentarischen Stil mit einer Mischung aus Interviews und Musikszenen gefilmt erhält man eine interessante Zusammenstellung der rhythmischen oder auch gesanglichen Verschiedenheiten sowie ihrer gegenseitigen Beeinflussung präsentiert. Dabei stellt Kaurismäki die These auf, dass alle Formen der Straßenmusik einen gemeinsamen kulturellen Ursprung haben.

Am Ende bleibt das Fazit, dass „Moro no Brasil“ zu viele einzelne Dinge vorstellt, um sie verständlich aufbereiten zu können. Interessant bleibt die Dokumentation aber als neugieriger Blick auf eine fremde Musik, die mit ihrer Rhythmus-Betonung und den schrillen Tönen aber nicht jedermanns Sache sein wird.






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