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Feuer, Eis und Dosenbier
Feuer, Eis und Dosenbier
© Warner Bros.

Kritik: Feuer, Eis und Dosenbier (2001)


Der Starttermin für diese Prollkomödie hätte nicht besser gewählt sein können. Die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City machen - über die aktuelle Skisaison hinaus - Lust auf schneebedeckte Berge, Wintersport und eventuell auch eben diesen Film. Darüber hinaus startet zeitgleich die Neuverfilmung von Johanna Spyris Kinderbuchklassiker "Heidi". Eine Geschichte, die dem Film "Feuer, Eis und Dosenbier" streckenweise als Klamaukvorlage dient. Handlungsort ist das österreichische Skiparadies Ischgl. Die beiden Ex-Zivis Türlich (Rick Kavanian) und Josch (Axel Stein) mussten dem Ruhrpott entfliehen, um nach zahlreichen Vergehen im zivilen Dienst nicht doch noch beim Militär zu landen.
Das Reiseziel ist für Türlich geradezu ein Heimspiel. In Ischgl ist er aufgewachsen - mitten auf der Alm des alten Öhi (Herbert Fux) und bei seiner großen Liebe Heidi (Eva Habermann). Doch das ist viele Jahre her und Ischgl unterdessen zum Alpen-Ibiza mutiert. Heiße Frauen und kühles Bier - genau das Richtige für die beiden Deserteure.
Auch Heidi und der Alm-Öhi leben noch in der Gegend, abseits des Trubels in Klein-Ischgl. Eine Idylle, die jedoch nicht mehr lange fortbestehen soll. Zumindest wenn es nach dem amerikanischen Industriemagnaten Tronald Dump (Christoph M. Ohrt) geht. Der will dem alten Kauz seinen Berg abkaufen und einen Vergnügungspark errichten.
Der Öhi stellt sich quer, doch seine angeschlagene Gesundheit machen auch seinen Erben - und der heißt natürlich Türlich - zum Ziel von Drump. Und womit sollte man diesen durchgeknallten Pseudo-Hippie und seinen bedepperten Freund besser bestechen können als mit reichlich Babes und Bier?
Die einfach gestrickten Jungs erliegen den Verlockungen, was die Missgunst Heidis und gar den Streit untereinander nach sich zieht. Für den Spekulanten aus Übersee die Chance, seinen Plan eiskalt durchzuziehen. Nur der Berg scheint noch im Weg, doch ein wenig Sprengstoff kann auch dieses Problem beseitigen... Wohlgemerkt, der Begriff "Prollkomödie" gleich zu Beginn dieser Kritik war noch keine Wertung. Er beschreibt vielmehr eine Sparte, in der Filme wie "Ballermann 6" oder auch "Fußball ist unser Leben" einzuordnen sind. Letzterer ein in Ansätzen sympathisch anmutendes Beispiel für brachialen Humor. Im Falle von "Feuer, Eis und Dosenbier" ist der Konsum des titelbildenden Gesöffs wohl eine Pflichtübung. Nicht dass es den Film an Pointen mangelt, doch um so etwas wie geistreiche Unterhaltung und tiefere Bedeutungen nicht zu missen, wäre ein gewisser Grad der Betäubung nicht von Nachteil. Das Wortspiel bei der Namensgebung des US-Multis Tronald Dump (Donald Trump) spricht Bände. Der sensationelle Kassenerfolg von "Der Schuh des Manitu" macht deutlich, dass auch deutsche Filme publikumswirksamen Humor besitzen können. Ein Film ist nicht nur dann "gut", wenn er einen - ohnehin schwer zu definierenden - künstlerischen Maßstab erfüllt. Ein Film ist auch dann "gut", wenn er unterhält - und das möglichst Massen. Doch dem entgegen steht wiederum eine Grenze, und zwar die des guten Geschmacks. "Feuer, Eis und Dosenbier" peilt eine Zielgruppe an, die sicherlich zu 99 Prozent auch die Winnetou-Persiflage verfolgte. Fragt sich nur, wieviel Prozent speziell von denen enttäuscht sein werden. Es nützt nichts. Auch wenn (beziehungsweise gerade weil) ein Rick Kavanian aus der "Bullyparade" sich als zugedröhnter Rastermann versucht. Auch wenn (beziehungsweise gerade weil) die Produzenten von "Erkan & Stefan" hinter diesem Alpentraum agieren. Die Prollkomödie bleibt ein Film, den die Welt nicht zwingend bräuchte - und das war eine Wertung!





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