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Ein letzter Kuss - Plakat
Ein letzter Kuss - Plakat
© Tobis Film

Kritik: Ein letzter Kuss (2000)


Auch wenn das Erwachsenwerden ein eher individueller Prozess ist, so gibt es im Leben eines Menschen doch wenigstens zwei markante Abschnitte, die durch das Alter markiert sind. So steht das 18.Lebensjahr für die erste Schwelle und den Beginn einer Phase, die durch Abnabelung und Neuorientierung geprägt ist. Diese kann sehr lange dauern und mündet nicht selten in die nächste Schwelle: den 30.Geburtstag. Die Zeiten, in denen man einfach in den Tag hineingelebt hat und sich nicht darum scherte was morgen ist, sind vorbei. Nun gilt es zu wissen was man im Leben will, beruflich wie privat. Nun gilt es Verantwortung zu übernehmen und die letzten kindlichen Phantastereien abzulegen. Eine unbehagliche Vorstellung, die teils durch die Gesellschschaft, teils durch die menschliche Anatomie bestimmt wird. Die Uhr tickt - auf dem Arbeitsmarkt, wo man irgendwann zum alten Eisen gehört und auf dem Beziehungsmarkt, wo man sich für oder gegen Kinder und Heirat entscheiden muss. So blickt man - auf die magische 30 zugehend - ein erstes Mal zurück und fragt sich, ob man ruhigen Gewissens den nächsten Schritt gehen kann oder diesen bereuen könnte, wenn es zu spät ist. Die letzte Chance für eine große Sause mit den Freunden, die Erfüllung eines ganz persönlichen und langgehegten Wunsches, eine Verrücktheit oder einfach nur einen letzten Kuss... Carlo (Stefano Accorsi) befindet sich an diesem zwiespältigen Punkt. Er arbeitet in einer Werbeagentur und führt eine glückliche Beziehung mit der Frau, die er liebt. Als Giulia (Giovanna Mezzogiorno) ihm jedoch eröffnet dass sie schwanger sei, gerät er in einen inneren Konflikt. Er hat Angst vom Leben überrollt zu werden, ohne es bis ins Letzte ausgekostet zu haben. Zu allem Überfluss lernt er die 18-jährige Schülerin Francesca (Martina Stella) kennen, die vor spontaner Lebensfreude nur so strotzt und den viel reiferen Mann geradezu anhimmelt. Carlo will gar nicht viel. Einmal noch das unbeschwerte Leben spüren, verantwortungslos sein und ein letztes Abenteuer erleben. Doch der Preis für diese Entscheidung könnte höher sein, als ihm lieb ist, denn manchmal erkennt man erst was einem das Wichtigste im Leben ist, wenn es einem zu entgleiten droht. Carlo ist da beileibe kein Einzelfall. Seinen Freunden geht es ganz ähnlich. Paolo (Claudio Santamaria) kann die Trennung von seiner großen Liebe nicht verwinden und möchte am liebsten auswandern, Adriano (Giorgio Pasotti) hat sich mit seiner Frau entzweit seitdem das Baby auf der Welt ist und Alberto (Marco Cocci) lebt scheinbar unbekümmert in den Tag hinein. Wäre da noch Anna (Stefania Sandrelli), die Mutter von Giulia, die die Tatsache demnächst Großmutter zu werden zum Anlass nimmt aus ihrer erstarrten Ehe zu fliehen. Gabriele Muccino gelang mit "Ein letzter Kuss" ein locker beschwingtes und ebenso einfühlsames Zeitporträt über die Liebe. Ein generationsübergreifender Selbstfindungstripp, der durch seine engagierten Darsteller (allen voran Stefano Accorsi) sowie die perfekte Mischung aus Drama und Komödie besticht. Ein Film, der außerdem so manche Lebensweisheit parat hält. So sollte man sich ein Filmzitat ins Gedächtnis rufen, wenn es darum geht selbst Verantwortung zu übernehmen, eine Familie zu gründen und somit auf das eine oder andere zu verzichten: Normalität ist die wahre Revolution! In Italien selbst avancierte der Film zum Überraschungshit. Er wurde mit fünf "David-di-Donatello-Awards", dem "italienischen Oscar", ausgezeichnet. Stefania Sandrelli wurde überdies für den Europäischen Filmpreis 2001 als Beste Darstellerin nominiert.




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