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Kritik: Der kleine Maulwurf (1975)


"Auf uns‘rer Wiese tut sich was: Ein Spaten bohrt sich durch das Gras! Die Nase spitz, zwei Pfoten klein - das kann nur unser Maulwurf sein!" (Auszug "Das Maulwurflied")

Im Jahre 1957 erblickte eine kleine Trickfilmfigur mit Knopfaugen das Licht der Showwelt. Der Angestellte eines Prager Zeichentrickfilmateliers, Zdenek Miler, sollte sich im Hause dem Genre des Kinderfilms widmen und schuf eine Figur namens "Krtek", den kleinen Maulwurf.

Bereits das erste Filmabenteuer - "Wie der kleine Maulwurf zu seinen Hosen kam” - lief auf den Filmfestspielen in Venedig. Einige Jahre später holte der WDR den kleinen Star auch ins deutsche Fernsehen. 1972 feierte "Pauli" in "Die Sendung mit der Maus" Premiere als Gast und ist dort heute, nach zahlreichen Auftritten, nicht mehr wegzudenken.

Der kleine Maulwurf ist in über 80 Ländern bekannt. Da er nicht zu den wundersamen Geschöpfen des Disney-Tierreichs zählt, die der menschlichen Sprache mächtig sind, beschränkt sich sein Wortschatz auf wenige Ausdrücke, die zumeist seinen momentanen Gefühlszustand entsprechen. Was auf Grund der schlechten Synchronisation so entstand, verleiht der Figur bis heute ihren besonderen Charme: Ein kleiner Maulwurf, der niemals sprechen lernte.

Für den Kinofilm wurden aus knapp 50 bestehenden Episoden acht ausgewählt: Einmal findet der kleine Maulwurf ein riesiges buntes Lutschbonbon. Doch erst als es im Regen zu schmilzen beginnt, erkennt er, dass es genießbar ist und herrlich süß schmeckt. Im Zoo hilft er einem Löwen, der unter Zahnschmerzen leidet, und bei seinem Ausflug in die große Stadt findet er - nachdem ihn die vielen großen Autos so begeisterten - sein eigenes rotes Spielzeugauto. Den Bulldozer, der ihn und sein Gemüsebeet bedroht, findet der kleine Maulwurf da schon weniger faszinierend. Ein Blechmonstrum, das aufgehalten werden muss. Ebenfalls als nicht ganz ungefährlich entpuppt sich das Kaugummi, das er sich in den Mund steckt und so schnell nicht wieder los wird. Ganz anders gelingt es ihm, den Fuchs los zu werden, der ihn verfolgt. Der kleine Pauli fällt in einen Topf mit roter Farbe, worauf der Fuchs bei diesem ungewohnten Anblick die Flucht ergreift. Versöhnlicher ist da die Weihnachtszeit, in der "Krtek" seine Freundin, die Maus, zum Essen einlädt...

Der kleine Maulwurf ist eine zeitlos populäre Zeichentrickfigur. Durch seine kindliche Naivität füllt er eine im positiven Sinne simple Handlung mit pädagogischem Tiefsinn. Neben der teilweise recht zweifelhaften Unterhaltung für die Kids von heute bleibt er ein Garant für den guten Geschmack. Während man sich bei TV-Sendungen wie "Teletubbis" noch fragt, ob man ein Kind diesem Schmarrn wirklich aussetzen sollte, bleibt der kleine Maulwurf von solchen Abwägungen verschont. Kinder können und sollen sich mit der Figur identifizieren, da auch sie die Welt entdecken müssen. Auch sie sind neugierig und entwickeln aus ihrem Spieltrieb ein Interesse für ihre Umwelt. Und ganz nebenbei werden ihnen in den Abenteuern des Waldbewohners auch noch höhere Werte wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft vermittelt.

Auch wenn der Kinofilm mit seinen 69 Minuten Spiellänge ein wenig kurz geraten ist, lohnt sich ein Besuch im Kino. "Der kleine Eisbär" hat es jüngst vorgemacht. Auch er hat den Sprung vom Gastauftritt in der "Sendung mit der Maus" auf die große Leinwand geschafft. Es wäre dem kleinen Maulwurf zu wünschen, wenn er dies ähnlich erfolgreich täte. Auch der zeitgleiche Kinostart von Spielbergs "E.T. - der Außerirdische" sollte dies nicht verhindern können. Schließlich heißt es im Refrain des Maulwurfliedes ganz treffend: "Kleiner Maulwurf, du bist nicht groß, doch wenn du auftauchst, ist was los."






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