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Kritik: Eislimonade für Hong Li (2000)


Dietmar Ratsch ist bereits ein erfahrener Dokumentarfilmer, der mit "Eislimonande für Hong Li" seinen Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg vorlegt. Besagte Hong Li ist eine Vietnamesin, die der Berliner Fotograf Thomas Billhardt vor 30 Jahren während des Vietnamkrieges in Hanoi fotografiert hat. Ratsch begleitet ihn in das heutige Vietnam, wo Billhardt inmitten von Hanoi eine Ausstellung seiner Bilder organisiert. Dabei versucht er, neben Hong Li andere Personen, die er einst auf Fotos verewigt hatte, aufzuspüren.

"Eislimonade für Hong Li" will mehrerlei: Zum Einen ein Portrait über Billhardt und das Fotografieren, dann eine Bestandsaufnahme über Vietnam heute und zum Anderen ein Wiederbegegnen von Menschen, die vor 30 Jahren Bildmotive abgaben. Vielleicht hat sich Ratsch da ein bisschen viel vorgenommen, oder er glaubte nicht, ein Thema allein könne einen 90 Minuten langen Film tragen. Einzelne Aspekte seines Films sind interessant, aber zu einem homogenen Ganzen vermischen sie sich leider nicht vollständig. Billhardts Erinnerungen werden kaum Erinnerungen von vietnamesischen Zeitzeugen gegenübergestellt, ein vietnamesischer General im Ruhestand philosophiert mehr über das Leben in Vietnam an sich. Auch über das eigentliche Alltagsleben erfährt man vergleichsweise wenig. Die Idee, eine Radiosendung zu zeigen, in der Jugendliche mit sexuellen Nöten anrufen können, versinnbildlicht zwar, dass auch das asiatische Land heute nicht mehr mit den Amerikanern, sondern AIDS zu kämpfen hat, aber innerhalb des Films ist dieser Ausschnitt doch relativ weit von dem entfernt, was Billhardt bewegt. Dessen Begegnungen wiederum wirken oft wie recht inhaltsleere "Wiedersehen macht Freude"-Episoden, wobei seine Gesprächspartner, auch wegen der Sprachbarriere oft nicht wissen, worüber sie mit dem freundlichen Ausländer sprechen sollen.

Eine fremde Kultur und Menschen kennenzulernen, ist immer ein Gewinn, aber nach "Eislimonade für Hong Li" hat man nicht das Gefühl, besonders viel über Land und Leute und deren Geschichte erfahren zu haben.






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