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Kritik: Der Boxprinz (1999)


Wie nähert man sich einem Menschen, dessen öffentliches Bild von seiner eigenen Schauspielerei in und um den Boxring sowie Eskapaden nach der Karriere geprägt ist?

„Der Boxprinz“ sucht erst gar keinen Ausweg aus dem Dilemma, die „realen“ Teile der Person Norbert Grupe, welcher sich selbst Prinz von Homburg nannte, herauszufischen. Statt dessen stellt der Film das heutige Dasein Grupes, der sich in LA mit Schauspielerjobs bei Kleinproduktionen über Wasser hält, der „Kunstfigur“ aus vergangenen Tagen gegenüber. Die Show war das Geschäft des Prinzen, der als Magnet für die Massen im Boxring stand, um dem Sport zur Reputation zu verhelfen. Er selbst boxte nach eigener Aussage nur, um Geld zu verdienen, nicht um Titel zu gewinnen. „Der Boxprinz“ zeigt Aufnahmen alter Boxkämpfe aus den 60er Jahren und vermischt diese mit Interviews, welche der Regisseur mit ehemaligen Freunden des „Prinzen“ geführt hat. Dabei entsteht das Bild eines Menschen, der jede Gelegenheit nutzte, um in der Öffentlichkeit aufzufallen.

Zum Fallstrick wurde Grupe die Nähe zum „Milieu“, das er aus Faszination am Schillernden und Sexuellen immer wieder aufsuchte. So folgt der Film den Stationen Grupes von der Catcherlaufbahn in den USA über die Boxkarriere in Deutschland bis zur Anklage wegen Drogenhandel – die Freundschaft zu den Hamburger Hell’s Angels brachte ihm das ein – und der jetzigen Existenz als Kleindarsteller.

„Der Boxprinz“ ist ohne Frage ein unterhaltsamer Film geworden, da die einzelnen Episoden – zum Beispiel das legendäre Interview im ZDF-Sportstudio, bei dem Grupe aus Verärgerung über den Journalisten keine Frage beantwortete – hinreichend skurril sind. Das Gleiche gilt für den Kurzauftritt von Werner Herzog sowie eine Szene auf der Reeperbahn, in der eine Milieugröße vor laufender Kamera Jemandem eine heftige Ohrfeige versetzt, weil er sich blöd angemacht fühlt. Die Hintergründe beleuchtet Regisseur Gerd Kroske aber nur zaghaft. Statt dessen macht er sich das dramatische Kapital der „Kunstfigur“ zu Nutze, um ihr Schicksal zu erzählen. Damit rückt „Der Boxprinz“ in die Nähe eines Spielfilms.





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