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Kritik: Yesil isik - Das grüne Leuchten (2002)


Das aktuelle türkische Kino, welches auch unsere Leinwände erreicht, fällt durch eine wunderbare Frische auf, die bekannte Themen auf eine sehr eigene Weise zum Leben erweckt. Die Geschichte des Films „Das grüne Leuchten“ lehnt sich stark an die Thematik an, wie man sie aus der amerikanischen Produktion „Der Himmel kann warten“ kennt. Es geht um den Menschen, der an der Himmelstür abgewiesen wird, da seine Zeit noch nicht gekommen ist. Mit großem Einfallsreichtum variiert der türkische Film diese Grundidee.

Bereits die Gestaltung des Himmels ist angenehm bizarr. Die Pforte zum Vorraum – also quasi zur Lobby des göttlichen Reiches – wird durch einen überdimensionalen Reißverschluss gebildet, der in poppigen Bonbonfarben gehalten ist. Der Raum selbst ist eine große Halle mit sehr hoher Decke, an deren Ende eine Reihe runder Tische stehen, auf denen Nationalflaggen angebracht sind. Die Möbelstücke könnten mit ihrem runden Design problemlos aus einer Science-Fiction-Serie der 50er oder 60er Jahre stammen. Da sich unser Neuankömmling am 11. September mit wilden Aktiengeschäften verspekuliert hat – schließlich konnte er vom Anschlag nichts ahnen – leistet sich der Film noch einen unbekümmerten Gag. Ein vor dem Anschlag gestorbener wundert sich lauthals über den Andrang vor dem amerikanischen Tisch und fragt den Neuen. Der berichtet von dem dramatischen Ereignis und fragt die Mitglieder der Schlange, wo sie herstammen, woraufhin die im Chor brüllen „Aus dem Trade Center“. So eine Szene ist zwar nicht besonders political correct, aber immerhin aktuell. Sie weißt auch den Weg, den „Das grüne Leuchten“ einschlägt.

Immer wieder bricht der Film das Bekannte auf, um mit Humor die bewährte Dramaturgie in eine frische Richtung zu lenken. So entwickelt sich nach der Rückkehr des Gestorbenen, dessen Zeit noch nicht dran war, zwar eine herzzerreißende Liebesgeschichte, aber allein der Umstand, dass ihm ein Organ fehlt, das der Frau eingesetzt wurde, in die er sich jetzt verliebt, lässt aufmerken. Dass sein Schutzengel ihm dann noch erklärt, er müsse die Frau umbringen, damit er weiterleben könne, setzt zusätzlich eins oben drauf.

„Das grüne Leuchten“ widmet sich auf faszinierende Weise dem Thema der „wahren Liebe“, die zwei Menschen finden müssen, ohne dabei in die Standardkonventionen zu verfallen. Statt dessen entwickelt sich das Geschehen in einer seltsamen Mischung aus bösem Humor und schmalzigem Liebeskitsch.





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