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Kritik: Joint Security Area (2000)


Wegen seines Sujets, der vorsichtigen Annäherung zwischen WM-Halbfinalist Südkorea und der kommunistischen Nordhälfte, wird Park Chan-Wooks Polit-Militär-Drama-Action-Thriller-undwasweißichnochalles als einer der wichtigsten Filme des neuen südkoreanischen Kinos eingestuft. Der mit einem typisch westlichen Werbekürzel für Blockbuster "JSA" genannte Film war dort vor knapp zwei Jahren ein sensationeller Kinoerfolg.

Den gerade hier zu Lande durch unsere geteilte Vergangenheit sicherlich leicht nachvollziehbaren Inhalt in einer verschachtelten Rückblendenstruktur zu erzählen, zeugt von einer Anspruchshaltung, der es gerecht zu werden gilt. Die stilistisch aufgetakelte, im Lichte einer Bruckheimer-Produktion hochpolierte, darunter aber spürbar holzschnittartige Zeigefinger-Predigt nutzt zwar eifrig alle - insbesondere technischen - Finessen eines hochbudgetierten Kintopps, entfaltet sich aber mit einer derart inhaltlichen und inszenatorischen Konfusion, dass die Wirkung schließlich reine Glückssache bleibt.

Durch ein Militärzwischenfall wird ein Plot in Gang gesetzt, der auch aus "Presidio" kommen könnte und an Klischees mühelos mit Hollywoods Kasperltheater mithalten kann. Dann wird der Zuschauer wie ein Kind an der Hand genommen und in einem verschämten Ton mittels betont menschlicher Situationskomik wird versucht, die ideologischen Mauern einzureißen, anstatt diskursiv auf sie einzugehen. Bei allem guten Willen - hier heiligt der Zweck gerade noch die naiven Mittel. Der Krimiplot ist passé, so bald er etabliert wurde, eben so wenig folgt "JSA" einer einheitlichen Linie.

Mit salbungsvollen Gesten verschreibt sich die holprig inszenierte Grenzbegegnung der (lobenswerten) Friedenspropaganda, versöhnlich schwelgt der Film in Männerfreundschaft und "wir sind alle Brüder"-Gefühlen. Brechstange statt Subtilität, sowohl mit Worten als auch Taten. Keine Sekunde später zeigt sich das Werk von seiner exploitativen Seite, wenn es gilt, Schießereien und Mini-Krisen als mitreißende, atemberaubende Action aufzudonnern, die sich ins pure Shoot-out-Vergnügen stürzt und mit einem Pathos versetzt ist, das jedem US-Kriegsfilm verblassen lässt.

Solche reichlich vorhandenen Widersprüche und eine nie ihren Rhythmus findende Inszenierung hinterlassen nach dem angestrengt seiner Bedeutung hinterherrennenden Film den Eindruck eines mit ungeeigneten Mitteln verfolgten Themas, das schon ein kindliches Gemüt voraussetzt, um ihn wegen seiner haarsträubenden Methoden noch ernst zu nehmen.





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