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Das Schloss im Himmel  2000-2006 Universum Film
Das Schloss im Himmel 2000-2006 Universum Film

Kritik: Das Schloss im Himmel (1986)


„Shrek“, „Ice Age“, „Madagascar“ - weil traditionelle Zeichentrickfilme angeblich kein Geld mehr einbringen, haben sich die US-Animationsstudios in den vergangenen Jahren auf Computeranimationen spezialisiert. In Japan aber ist die Zeichentricktradition noch immer lebendig. Und der Erfolg gibt den Animekünstlern recht: Das von Autor, Regisseur und Zeichner Hayao Miyazaki gemeinsam mit seinem Produktionskollegen Isao Takahata im Jahr 1985 gegründete Studio Ghibli ist das erfolgreichste Trickstudio weltweit und feiert seit Jahren Rekorde an den Kinokassen. Seit den 90er Jahren gilt Miyazaki als finanziell erfolgreichster Regisseur Japans. In Deutschland allerdings, wo Zeichentrick noch immer untrennbar mit Disney verbunden scheint und jeder Anime unweigerlich mit der Serie "Heidi" (bei der Regisseur Miyazaki erste Erfahrung als Hintergrundzeichner verdiente) gleichgesetzt wird, sind die Filme des Animegenies nach wie vor weitgehend unbekannt. Kein Wunder: Erst drei von Miyazakis Filmen, „Prinzessin Mononoke“, der oscargekrönte „Chihiros Reise ins Zauberland“ und zuletzt „Das wandelnde Schloss“ waren hierzulande in den Kinos zu sehen.
Doch nun schickt sich Universum Film an, die Ignoranz deutscher Kinogänger zu lichten: Seit vergangenem September hat Universum unter dem Label ufa anime einige Miyazaki-Produktionen im Kino und auf DVD veröffentlicht. Und mit „Das Schloss im Himmel“ ist nun auch das erste von Studio Ghibli produzierte Werk auf der Leinwand zu bewundern:

Ohne es zu wissen ist das Waisenmädchen Sheeta die Thronerbin des legendären, auf einer fliegenden Insel liegenden Königreichs Laputa. Vor Jahrhunderten wurde das Königreich, dessen Herrscher einst die Menschen mit überlegener Technologie unterwarfen, verlassen. Vor den Blicken der Menschen verborgen schwebt die mit sagenhaften Schätzen beladene Insel seither durch die Wolken.
Als Thronerbin ist Sheeta im Besitz eines magischen Steins der den Weg nach Laputa weist und ihr die Macht über die Technologie der Insel verleiht. Genau diesen Stein wollen sowohl eine Gruppe Piraten, als auch Mushka, ein entfernter Verwandter Sheetas, in ihren Besitz bringen. Mit Hilfe des jungen Minenarbeiters Pazu macht sich Sheeta auf den Weg zu dem Schloss im Himmel, um die Welt vor einer erneuten Unterwerfung durch Laputas Technologie zu schützen...

Zuerst sei erwähnt dass sich „Das Schloss im Himmel“, wie die meisten Filme Miyazakis, vornehmlich an Kinder richtet. Dennoch reflektiert der Film wichtige Themen seiner Entstehungszeit, also der 80er Jahre, wie etwa Umweltschutz, die Angst vor Atomwaffen und dem Missbrauch von Technologie oder das Misstrauen gegen politische, wirtschaftliche und militärische Eliten. So erzählt die Animation eine spannende Abenteuergeschichte, an der nicht nur Kinder Gefallen finden können.

Die Charaktere gestaltet Miyazaki glaubhaft, liebenswert und lebensnah. Ganz anders als in den meisten Disney-Filmen werden Stereotype konsequent vermieden. Statt dessen spielt der Regisseur mit den Erwartungen der Zuschauer – nicht alles ist, wie es scheint, nicht jeder der auf den ersten Blick furchterregend wirkt, ist tatsächlich böse. So erweisen sich die Luftpiraten, vor denen Sheeta anfangs verängstigt flieht, als liebenswerte Tollpatsche während sich n der so idyllisch wirkenden fliegenden Insel ein schreckenerregendes Waffenlager verbirgt.

Natürlich sieht man der Animation die 20 Jahre an, die sie bereits auf dem Buckel hat. Zudem ist der Film, wenngleich die Bewegungen recht flüssig wirken, nicht vollständig animiert. Die Zeichnungen selbst aber weisen in ihrer Detailfülle und der liebevollen Bildgestaltung eine bestechende Ästhetik auf und lassen so bereits das gesamte Können des Zeichentrickkünstlers Miyazaki erahnen.
Kurzum: "Das Schloss im Himmel" mag vielleicht nicht der beste Film von Hayao Miyazaki sein. Wer Disney jedoch noch immer für den größten Zeichentrickkünstler der Animationsgeschichte hält, sollte sich die Augen öffnen lassen und „Das Schloss im Himmel“ ansehen. Und all jene Animationsfreunde die sich bereits mit Miyazakis Filmen vertraut gemacht haben, werden „Das Schloss im Himmel“ ohnehin nicht verpassen wollen.





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