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Glück im Spiel
Glück im Spiel
© 2007 Warner Bros. Ent.

Kritik: Glück im Spiel (2006)


1997 erhielt Curtis Hanson für sein Drehbuch zu dem intelligenten "L.A. Confidential" den Oscar. Nominierungen hatte er auch als Regisseur und als Produzent erhalten. Seither hat Hanson nur je 3 Filme inszeniert bzw. produziert. Als Drehbuchautor trat er überhaupt nicht mehr auf – bis jetzt. Mit "Glück im Spiel" kommt der erste Film seit "L.A. Confidential in die Kinos, für den Hanson als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent verantwortlich zeichnet. Und er hat Glück: Der gegenwärtige Pokerbook kommt ihm sehr entgegen, spielt sein Film doch zu mindestens 50% an einem Pokertisch. Die Spielerszene in Las Vegas bietet den Hintergrund, das Setting für die Geschichte, die der Verleih gerne als Romanze bezeichnet, die aber eigentlich eher wie ein Drama (mit Happy End) daherkommt. Mag sein, dass es in der ursprünglichen Drehbuchfassung anders geplant war, wie es Produzentin Denise Di Novi im Presseheft andeutet, in der vorliegenden Kinofassung aber spielt Romantik eher eine untergeordnete Rolle. Zwar zieht sich das Auf und Ab der sich anbahnenden Liebesbeziehung zwischen Barsängering Billi (Drew Barrymore) und dem professionellen Pokerspieler Huck (Eric Bana) durch den gesamten Film, wesentlich wichtiger aber als die Scharmützel zwischen den Liebenden erscheint der ungelöste Vater-Sohn-Konflikt, der regelmäßig am Pokertisch ausgetragen wird. Es ist der Konflikt zwischen einem Poker-fanatischen Vater, der irgenwann seine Familie zurückgelassen hat, und einem ebenso Poker-fanatischen Sohn, der seinen Vater nie richtig kennengelernt hat und ihn am liebsten vergessen und komplett ignorieren würde, was er aber nicht kann, weil er ständig auf seinen legendären Vater angesprochen wird oder plötzlich, am Pokertisch, mit ihm konfrontiert ist.
Das Pokerspiel umschreibt dabei recht präzise die Probleme die Vater und Sohn damit haben, ihre Gefühle zu offenbaren. Für den Vater ist das Pokerface im Spiel wie im Leben zum zweiten Gesicht geworden – er ist schlicht nicht in der Lage, seine Gefühle offen zu zeigen. Die Liebe zu seinem Sohn zeigt er, indem er mit ihm spielt, ihm sein Können weitergibt, und darauf wartet, von Sohn geschlagen zu werden. Der wiederum ist exakter Beobachter und kann in den Gesichtern seiner Gegner lesen – nur nicht in dem seines Vaters. Während er im normalen Leben dazu neigt, seine Gefühle zu verbergen, gehen eben diese Gefühle am Pokertisch mit ihm durch, sobald ihm sein Vater als Gegner gegenüber sitzt. Kein Wunder, dass der Konflikt zwischen Vater und Sohn nur in einem Pokerduell gelöst werden kann.
Wie oben schon gesagt: Es ist durchaus denkbar, dass diese Drama-Story ursprünglich nicht die übergeordnete Rolle spielen sollte, die sie nun im fertigen Film einnimmt. Tatsächlich dürfte Love-Interest Drew Barrymore sogar mehr Leinwandzeit für sich verbuchen dürfen als Robert Duvall in der Rolle der Pokerlegende L.C. Cheever. Aber: Duvall spielt in jeder seiner Szenen so ziemlich jeden an die Wand, es ist seine Performance, seine Rolle, die nach dem Film im Gedächtnis bleibt. Darüberhinaus ist die von Barrymore dargestellte Figur ohnehin nicht besonders vielschichtig oder neu – es ist die liebe, nette Träumerin auf der Suche nach Mr. Right, wie man sie schon x-mal, auch von Barrymore, gesehen hat.
Es bleibt noch festzuhalten, dass Erzählung und Inszenierung in den ersten Minuten überaus kompakt gestaltet sind – eine Szene reicht aus, um alle wichtigen Informationen anzusprechen – Hanson sich später aber deutlich mehr Zeit lässt. Insgesamt bringt es der Film dann auf eine Laufzeit von über zwei Stunden, wobei sich wirkliche Längen aber allenfalls bei dem finalen Pokerduell bemerkbar machen.
Fazit: Kein Meiterwerk wie Hansons "L.A. Confidential", aber doch einer der besseren Filme des Jahres, der schon wegen Robert Duvall in jedem Fall sehenswert ist.




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