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'Der Informant!' - Filmplakat
'Der Informant!' - Filmplakat
© Warner Bros.

Kritik: Der Informant! (2008)


Schauspieler nehmen für manche Filme mitunter einiges an körperlichen Torturen auf sich. Robert De Niro fraß sich für seine Rolle in "Wie ein wilder Stier" glatt 25 Kilo an. Christian Bale magerte hingegen bis auf die Knochen für "The Machinist" ab. Solche Beispiele gibt es reichlich. Und auch die Damen quälen sich: Charlize Theron, die immer wieder in die Reihen der sexiest-whoman-of-the-year gewählt wird, nahm für ihre Rolle in "Monster" nicht nur ordentlich zu, sondern lies sich auch gleich ein groteskes Äußeres verpassen, damit das Gesamtpaket der Filmfigur stimmig wurde.
Ganz so arg hat es Matt Damon für seine Rolle in "Der Informant!" nicht getrieben. Vielleicht kam dem smarten Darsteller, der sich immer wieder über die physischen Quälereien für die Filme der "Bourne"-Reihe geärgert hatte, seine Verwandlung auch gar nicht so unangenehm vor. Der Mime steht nach eigener Aussage schließlich sehr auf Fast-Food, Pizza und Bier; vorzugsweise mit Busenkumpel Ben Affleck konsumiert. Ein paar Pfund mussten für "Der Informant!" aber schon auf die Rippen; muskelbepackt wirkte andernfalls sein Filmpart, als Sesselpupser in einem großen Agrar-Konzern, nicht wirklich rund.
Marc Whitcare (Matt Damon) ist leitender Angestellter in einen international führenden Agrar-Konzern. Eigentlich hat er eine blühende Karriere vor sich. Natürlich muss man als Konzerndiener aber bei manch illegalen Aktivitäten wegschauen und den Mund halten. Doch Marc hat eine ganz eigene Wahrnehmung von Gerechtigkeit. Also wendet er sich ans FBI und verpfeift seinen Brötchengeber. Das FBI braucht aber handfeste Beweise, bevor es aktiv werden kann. Marc willigt ein, diese verwanzt bis unter die Haarspitzen, zu besorgen. Bei alledem vergisst er nur eines: Seine Unterschlagungen im Unternehmen zu erwähnen. Als die zuständigen FBI-Beamten (Scott Bakula und Joel McHale) ihm auf die Schliche zu kommen drohen, ändert er kurzerhand seine Aussage. Damit wird eine Lawine sondergleichen losgetreten: Nicht nur, dass die gesamte Anklage plötzlich auf der Kippe steht, Marc scheint auch bei seiner neuerlichen Aussage nicht die ganze Wahrheit preisgegeben zu haben. Dominoeffektgleich präsentiert er jetzt, immer wieder aufs Neue, Vergehen des Konzerns - aber auch seine Strafftaten werden von einer Aussagevariante zur nächsten immer gewaltiger. Am Ende lässt sich gar nicht mehr genau sagen, was nun wirklich Wahrheit ist und wann mit Marc einfach die Phantasie davon galoppierte. Mit diesem Verhalten treibt er nicht nur die FBI-Agenten in den Wahnsinn.
Beim neuesten Werk von Star-Regisseur Steven Soderbergh ("Traffic – Macht des Kartells"), das auf der wahren Geschichte eines hochkarätigen FBI-Wirtschaftsinformanten basieren soll, begibt sich der Zuschauer auf einen tolldreisten Verwirrtrip in die Niederungen der Konzernmachenschaften, Industriespionage, Unterschlagungen und graulegalen Polizeiermittlungen. Das einzige, was hier Hand und Fuß zu besitzen scheint, ist die Lüge an sich. Ein wenig erinnert der Film damit an das Katz-und-Maus-Spiel in "Catch me if you can", erreicht aber nie dessen Eleganz und auch nicht diese feine bittersüße und süffisante Note. Da sich "Der Informant!" aber selbst als schwarze Komödie versteht, lässt sich der Steifen auch eher mit "Duplicity" vergleichen. Zwar wechseln die Orte und die Zeitebenen nicht selben schnellen Takt, aber vom Zuschauer wird in der Zusammenfügung des Informationspuzzles Vergleichbares abverlangt. Eine weitere Gemeinsamkeit zeigt sich aber auch darin, dass Pointen und Gags nicht wirklich viel Zündpotenzial haben; vielleicht war das tatsächlich so gewollt. Damit aber entwickelt sich die Lügenshow zu einem Dialog-Frontalbombardement, das, positiv ausgedrückt, einiges abverlangt – anders gesagt, mit reichlich Längen aufwartet.
Fazit: Auf jeden Fall positiv in Gewicht fällt, dass Matt Damon mit Hüftgold eine seiner besten Schauspielleistungen abliefert. Ob das allein aber aus dem Film eine rundum gelungene Inszenierung zaubert, lässt sich anzweifeln: Das Lügengeflecht an sich verliert mit der Zeit seinen Reiz. Irgendwann ist es einfach nicht mehr wirklich interessant, ob sich die Unterschlagungen der Hauptfigur noch im einstelligen Millionenbereich bewegen oder schon nicht mehr. Vielleicht liegt es auch einfach an der Sympathieebene, die sich für den Lügenbaron nicht so recht einstellen will, dass man es müde wird, nachzuverfolgen, wie er einen verbalen Haken nach dem anderen schlägt. Am Ende ist halt doch gewiss: Viele Jäger sind des Hasen Tod.




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