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24/7 - The Passion of Life
24/7 - The Passion of Life
© WTP International GmbH

Kritik: 24/7 - The Passion of Life (2005)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Roland Reber ist auf jeden Fall eine echte Nummer für sich: Als einer der ganz wenigen wirklich unabhängigen deutschen Filmemacher dreht er seit nunmehr eineinhalb Dekaden mit einem festen Stamm von Mitarbeitern Filme, die so eigen, wie eigenartig sind. Es sind oftmals surreal angehauchte Werke, wie "Illusion" oder "Die Wahrheit der Lüge", die allesamt sofort als echte Roland-Reber-Filme erkenntlich sind. Sie alle zeichnen sich aus durch so selten gesehene Verknüpfungen, wie fast unter inszenierte Sequenzen mit einzelnen stark stilisierten und ästhetisierten Szenen oder einem fast dokumentarisch anmutenden Realismus mit wildester Phantastik. Dies alles ist mal mehr ("Illusion"), mal weniger ("Die Wahrheit der Lüge") gelungen - aber niemals völlig ohne Reiz. Doch ausgerechnet in einem Film, der sich bereits in seinem Titel auf die von besonders fantasievollen Inszenierungen lebende Welt des BDSM bezieht, verhebt sich Reber stark.

"24/7 - The Passion of Life" unternimmt den Versuch die sehr verschiedenen Welten der Swinger und der SMler miteinander kurzzuschließen, um hierbei zu einem allgemeinen Bild dieser unterrepräsentierten sexuellen Subkulturen zu gelangen. Hierbei bekennt Reber freimütig, dass weder er, noch seine Mitarbeiter - die Schauspieler sind bei ihm zugleich oftmals auch für Dinge wie Drehbuch, Kamera und Vertrieb der Filme zuständig - über eigene Erfahrungen in den gezeigten Szenen verfügen. Dementsprechend ist es konsequent, dass der Zuschauer im Film gemeinsam mit der Novizin Eva in diese geheimnisvollen Welten eingeführt wird. Leider reicht es Reber jedoch nicht, die Dinge einfach für sich sprechen zu lassen. Stattdessen muss jede Situation noch einmal in den Dialogen schulbuchmäßig erläutert werden, da er dem Zuschauer so viel eigenständiges Denken bei solch exotischen Themen offensichtlich nicht zutraut.

Die Rolle der Oberschulmeisterin hat hierbei die kluge Domina Maria Magdalena (wir bemerken an dieser Stelle die dezente christliche Symbolik!). Sie erklärt beispielsweise dem armen Dominik - obwohl der eigentlich nicht weniger klug, als sie selbst zu sein scheint, aber der Zuschauer muss es halt wissen - dass seine seltsamen Jesus-Inszenierungen nicht pervers seien, sondern das er auf diese Weise dem Dunklen in seinem Inneren einem Ausdruck verleihe, der verhindere, dass diese finsteren Umtriebe ihn ansonsten innerlich zersetzen würden. Wir merken schon: Obwohl der Film mit "The Passion of Life" die Lebenslust in seinem Titel trägt, porträtiert Reber die Anhänger der gezeigten sexuellen Subkulturen allesamt eher als mehr oder minder gequälte Gestalten, deren einzige wahre Passion, die Passion Christi ist.

Damit macht Reber den aufklärerischen Effekt seiner mit äußerst großherzigem Gestus präsentierten Entdeckungsreise in die die Welt der Swinger und der SMler sofort wieder zunichte und erweist sich am Ende als ähnlich borniert, wie Evas spießiger Hoteliersvater, der seiner vom Pfad der Tugend abgefallenen Tochter bis zu einer von ihr erhofften reumütigen Rückkehr in den trauten Schoss der Familie die väterlichen Liebe und das familiäre Erbe entzieht. - Natürlich ist die Ehe von Evas Eltern schon seit Ewigkeiten nur noch reine Fassade. Schließlich darf auch hier nur ja kein Klischee ausgelassen werden.

Zuletzt muss noch angemerkt werden, dass Reber sich zwar sichtlich Mühe gegeben hat die Atmosphäre der von ihn gezeigten ungewöhnlichen Lokalitäten möglichst authentisch wiederzugeben. Doch er tut dies in so einer nüchtern-sterilen Weise, dass man sich öfter eher in einer Fernsehdokumentation, als in einem Kinofilm wähnt. Gerade in den Szenen im Dominastudio hätten Rebers Inszenierungskünste, wie er sie beispielsweise in "Illusion" bewiesen hat, gefragt gewesen, um die besondere Atmosphäre greifbar zu machen, für welche gut zahlende Kunden solch ein Studio besuchen. Stattdessen zeigt Reber, wie Dominik als gestörter Jesus-Freak lediglich mit einem windelartigen Lendenschurz bekleidet ein reales Holzkreuz durch die bayrische Landschaft schleppt, während Domina Maria im Minitrecker nebenherfährt und sich einen lacht. Nee.

Fazit: In "24/7 - The Passion of Life" präsentiert Roland Reber mit großartig aufklärerischem Gestus Swinger und SMler als traurige, kontaktgestörte und bemitleidenswerte Gestalten, deren einzige Passion, die Passion Christi ist.





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