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Across the Universe
Across the Universe
© 2007 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Across the Universe (2007)


„Across the Universe“ ist einer dieser merkwürdigen Filme, die, abhängig von persönlichen Wünschen und Erwartungen, zahlreiche Ansatzpunkte für einen Komplett-Verriss bieten, gleichzeitig aber genauso gut mit einer Jubelkritik bedacht werden können.

Erwartet man ein normales Musical mit packender Story, guten Songs und Tanzeinlagen, so wird man ziemlich enttäuscht, oder gar genervt das Kino verlassen, denn: Eine Story ist kaum vorhanden und auch nicht wirklich ungewöhnlich oder gar spannend. Der Großteil der Tanzeinlagen hat allenfalls die Qualität eines besseren Schülertheaters. Die Darsteller schließlich sind zwar schauspielerisch recht gut und größtenteils keine schlechten Sänger, aber warum sie urplötzlich in Gesang ausbrechen und einen von insgesamt 33 Beatles-Songs zum Besten geben ist vor allem im ersten Drittel des Films nichts so wirklich ersichtlich.

Aber: All diese Kritikpunkte gehen eigentlich komplett am Film vorbei. Ganz offensichtlich hat Regisseurin Julie Taymor gar keinen wirklich erzählenden Film vorlegen wollte, sondern eher einen Kunstfilm – eine filmische Collage, gespickt mit allerlei optischen Tricks und Spielereien. Das Porträt einer Epoche und Generation, bei dem die Songs der Beatles als roter Faden durch die Jahre führen, ausgehend von den öden Mitt-60ern, über die wilde Zeit der Studentenbewegung und die drogenbeschwingten Flower-Power-Jahre, bis in die zunehmend radikalen 70er, wo der Traum von „Love and Peace“ ein blutiges Ende findet.

Alles hat Taymor dem künstlerischen Ansatz untergeordnet: Die Hauptfiguren, die – natürlich - Jude und Lucy heißen, sollen keine wirklichen Individuen sein, sondern stehen beispielhaft für eine ganze Generation. So erleben sie denn auch so ziemlich alles, was es in den 60ern und frühen 70ern so zu erleben gab, und natürlich treffen sie auch sämtliche Idole ihrer Zeit. Die Optik greift die grundlegende Stimmung der jeweiligen dokumentierten Jahre auf, ist anfangs also noch recht trist und konventionell, wird dann aber zunehmend freier und verspielter, so dass sich die Langeweile der Mitt-60er ebenso in den Bildern wiederspiegelt wie der zunehmende Drogentaumel der Hippie-Jahre und die wachsenden Aggressionen zwischen Demonstranten und staatlicher Macht.

Die Konsequenz mit der die Regisseurin ihr künstlerisches Konzept verfolgt, ist einerseits bewundernswert, andererseits aber auch Ursache für einen Großteil der Probleme, die man mit ihrer filmischen Collage haben kann. Denn da gerade der Anfang auf optische Spielereien verzichtet und wie ein „normales“ Musical daher kommt, lässt sich zunächst kaum erahnen, dass es hier eigentlich gar nicht darum geht, eine Story zu erzählen. Entsprechend schwer wiegen gerade in den Anfangssequenzen die oben aufgeführten Kritikpunkte.
Je freier und verspielter die Optik – analog zu den porträtierten Jahren – wird, je weiter sich der Film von den Zwängen eines Storyorientierten Musicals entfernt, umso beeindruckender wird er (natürlich immer vorausgesetzt man mag diese doch eher „künstlerischen“ Spielereien). Ungeduldigere (und nicht vorgewarnte) Zuschauer aber werden das Kino bis dahin möglicherweise bereits verlassen haben und die wirklich guten Szenen verpassen.

Fazit: Wer Wert auf Handlung und Story legt und mit optischen Spielereien nichts anfangen kann, sollte sich besser für einen anderen Film entscheiden. Wer hingegen Spaß an eher experimentellen, optisch verspielten Filmen hat ist, nach einer anfänglichen Durststrecke, in „Across the Universe“ ziemlich gut aufgehoben.




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