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Liebesleben
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Kritik: Liebesleben (2007)


Kann man die Bildlichkeit der Worte in die Sprachlichkeit der Bilder zur völligen Zufriedenheit transformieren? Nein - Literatur lässt sich nur schwerlich “ver“filmen. Auch wenn die Schauspielerin Maria Schrader ("Aimée & Jaguar") in ihrem Regiedebüt die Irrungen und Wirrungen  von Liebe, Lust und Leiden, um Sex und Sehnsüchte, Vertrauen und Verrat in intensive Close-Ups bannt, bleiben Fragen offen; stellt frau/man sich doch den angejahrten Ari mit angenageltem Playboy-Nimbus nicht derart dreckig, schmierig und egoistisch vor. Im Roman ist alles ein wenig subtiler und sinnlicher. Die literarisch evozierten Fantasien verrecken in fertigen Bildern, so schön sie auch sein mögen.

Ein revitalisierter letzter Tango in Jerusalem statt in Paris? Dass die aparte Jara etwas durchgeknallt ist, wird schon in den Anfangssequenzen klar; da rennt sie in panischer Angst zum Haus der Eltern, meidet dabei den Bus, aus angst vor einem neuerlichen Anschlag. Diese ewige Panik in bleiernen Jerusalemer Zeiten des nie enden wollenden Krieges zwischen Palästinensern und Juden ist zum bitteren und mörderischen Alltag geworden. Von Maria Schrader jedoch stets nur marginal in trügerischer Ruhe durch aufkommenden Wind visualisiert.

Penetrant und unwiderstehlich widerlich der indifferente Blick des a alten Mannes mit der todgeweihten Ehefrau im Hospital, der anscheinend soviel gelangweilte Macht versendet, dass Jara sich auch nicht schämt, alle nahe stehenden Menschen schwer zu verletzen. Nicht zuletzt ihren viel zu (besonnenen) dargestellten Ehemann. Die Affäre zwischen ihm und ihr bleibt bis zum bitteren Ende ein Kuriosum, und entlässt trotz geheimnisvoll-fataler Geheimnisoffenbarungen den Betrachter mit dem feeling: Wieso lässt sich ein so schönes und intelligentes Mädchen mit einem solchen Arsch ein? Warum lässt sie sich ihm zuliebe auf eine Art Soft-Dreier mit Aris fettem Freund ein? Ganz zu schweigen von seinen seltsamen Aktionen, sie im Zimmer einzusperren, sie anzuschreien, sie zu malträtieren.

Keine Frage, formal ist Schraders Debüt nahezu perfekt. Sie drehte nicht mit „Super“-Stars, dafür mit starken Schauspielern. Die Omnipräsenz des Ensembles überhaupt positioniert sie par excellence. Und zwar so geschickt, dass man in nahezu irrationale Emotionen mitleidet, bei diesen obsessiven Rätseln und obskuren Trips in den seelischen Sexual-Hades.
Das Verhältnis zwischen Jara und Arie bleibt bis zum bitteren Ende trotz  Jaras „Befreiung“ unverständlich, die „Beziehung“ durchgängig grotesk. Sie wirft beispielsweise dem anscheinend lebensmüden Macker vor, es ihr nicht genug zu danken, dass sie für ihn ihr bisheriges geordnetes und angenehmes Dasein völlig über Bord warf. Dabei bemerkt sie gar nicht, dass er sich noch nicht einmal ein bisschen bedanken kann.  

Eine Anti-Lovestory mit großen Konfusionen und kleinen Katastrophen eben, wie der reale Hintergrund: In Israel und Bonn filmte Maria Schrader ihren extraordinären Liebesreigen der sonderbaren Art nach dem Bestseller von Zeruya Shalev.   Fremd und vertraut sei Israel für sie gewesen, jenes Krisengebiet, in dem ein Großteil der Produktion entstand: Während das Filmteam in Jerusalem, Tel Aviv und Akka den lüsternen Trip zu sich selbst bebilderte, jagten sich  mal eben wieder zwei Selbstmordattentäter in die Luft, ein mordsmäßiger Background für einen leider zu sehr mit Machoismen kokettierenden Film. Denn alles hat seine Grenzen, auch „Hörigkeit“….






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