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Talk to me
Talk to me
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Kritik: Talk to me (2007)


Der Kleinkriminelle Ralph Waldo „Petey“ Greene (Don Cheadle) ist in seinem Knast der Star – als überraschend großkotziger Radio-DJ unterhält er Insassen und Wärter. Dementsprechend hält er sich für eine Radiokarriere berufen. Und hängt sich dem entnervten Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor) an dem Hals – einem Programmgestalter beim Sender WOL, dem Petey zufällig im Gefängnis über den Weg läuft, wo Dewey seinen Bruder besucht. Durch seine nassforsche Dreistigkeit schafft Petey es tatsächlich auf Sendung und wird mit brachialer Ehrlichkeit und rotzigem Witz schnell zur lokalen Kultfigur in Washington D.C.

Die Regisseurin Kasi Lemmons schuf mit „Talk to Me“ einen unterhaltsamen, teilweise gehaltvollen Ausflug in die schrillen Sixties – mit liebevoll ausgestatteten Sets und sparsam eingesetzten Archiv-Schnipseln – dessen schleppendere Momente immerhin von grandioser Musik unterlegt werden. Leider verrennt sie sich im letzten Drittel in eine zu oft gesehene Biopic-Falle: Wehmütiger Würdigungszwang – wohl um die Wichtigkeit des Subjekts zu rechtfertigen.

Nötig hat sie das eigentlich nicht. Vor seinem fast zwangsläufigen Abstieg in die üblichen Niederungen des Ruhms erreicht der echte Petey (1931-1984) nämlich eine ganze Menge. Und schließlich kann sich sich ganz auf die Akteure verlassen: Den ungeheuer wandlungsbegabten Don Cheadle können selbst Asphalt-Afro und laute Outfits nicht entstellen. Ganz leicht macht er es dem Publikum zu Anfang nicht, ihn zu mögen – man muss mit dem schnöseligen Rüpel tatsächlich erst warm werden. Wenn er großkotzig behauptet „Ich bin das Volk“ ist das allerdings nicht übertrieben. Er trifft die Stimmung der schwarzen Bevölkerung wie kein anderer und ist mit taktlosen Sprüchen zu Sixties Beat auf der Höhe seiner Zeit. Die tieferen Schichten seines augenscheinlich vorlauten Charakters kommen am Tag der Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King zutage, als Petey mit beherzten Worten schlimmere Gewaltausbrüche in der Hauptstadt verhindert.

Der Brite Ejiofor stellt als besonnener, wenn auch wohlwollener Karrieretyp zunächst scheinbar die Gegenfigur dar, entpuppt sich aber als Petey gar nicht so unähnlich. Beide raufen sich schließlich zusammen – ohne, dass der Film dadurch gleich in einen Buddy Movie ausleiert. In Nebenrollen fällt allen voran Taraji P. Henson auf: Sie entzückt und nervt als Peteys aufgekratzte Freundin Vernell und mausert sich dabei von einer Comicfigur zur empfindsamen Gefährtin. Martin Sheen taucht sporadisch, aber prägnant als an sich wohlmeinender Besitzer des Senders auf, der sich schließlich von dem Phänomen Petey überrollen lässt.

„Talk To Me“ ist trotz des enttäuschenden letzten Drittels nicht schlechter, als andere jüngere Musiker-Biopics, eher ist das Gegenteil der Fall. Schade, dass Cheadle für seine beachtliche Leistung nicht mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt wurde.

 





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