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Weißt was geil wär...?!
Weißt was geil wär...?!
© 2007 Kinowelt GmbH

Kritik: Weißt was geil wär...?! (2006)


Nach der Pressevorführung von „Weißt was geil wär...?!'“ in Frankfurt einigten sich die meisten der anwesenden Kritiker auf die Aussage, dass der Film eigentlich nicht ins Kino gehört, und so fand ich mich einigermaßen überraschend in der Rolle der Verteidigerin wieder.

Überraschend gleich aus zwei Gründen: Zum einen fand ich den Film so gut nun auch nicht, dass ich damit gerechnet hätte, später zur Verteidigerin zu mutieren. Zum anderen fand ich ihn nun aber auch nicht so furchtbar schlecht, als dass ich erwartet hätte, dass er ernsthaft verteidigt werden muss. Insbesondere, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen der Film enstanden ist:

In der Rekordzeit von nur 21 Tagen für ein Mini-Budget von rund 100.000 € gedreht, ist „Weiß was Geil wär...?!'“ das Regiedebüt des 37-jährigen Cutters Mike Marzuk. Die Story kreist Debüt-typisch um planlos gammelnde Studenten in Liebes- und Geldnöten – eine Entwicklungsgeschichte also, an deren Ende der erste Sieg gegen die Planlosigkeit steht.

Ohne Frage: Dem von Regisseur Marzuk verfasstem Drehbuch hätte eine weitere Überarbeitung gut getan. Nach 10 Minuten sind alle Figuren in ihren Funktionen bestimmt und auch ihre weitere Entwicklung und damit der gesamte Story-Verlauf sind offensichtlich. Überraschungen gibt es entsprechend bis zur Schlussszene keine. Allerdings stört das an sich nicht wirklich – denn im Gegenzug sind die Figuren recht sympathisch und sogar etwas „normaler“ als die üblichen deutschen Loser-Buddys.

Als Hauptdarsteller engagierte Marzuk drei noch nicht allzu bekannte Gesichter: Die 27jährigen Axel Schreiber und Isaak Dentler spielen die unentschlossen vor sich hin ganmelnden Freunde Tommy und Heinz, die 24-jährige Nadja Bobyleva gibt ihre neue Mitbewohnerin, die Schauspielschülerin Lisa. Insgesamt ist an der Leistung der drei nichts auszusetzen, die beste Leistung legen sie allerdings in den ganz offensichtlich improvisierten Szenen hin.

Etwas nervig ist hingegen die einigermaßen penetrant vorgetragene Eigenwerbung der Produktionsfirma: Andauernd wird etwa auf den ebenfalls von Sam Film produzierten „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ verwiesen, als handle es sich dabei um einen extrem kultigen Film. So was kann sich Kevin Smith in Filmen seiner Viewaskew-Produktion („Clerks“, „Jay und Silent Bob schlagen zurück“, „Dogma“) erlauben, hier aber ist es schlicht unpassend und leider auch nicht allzu elegant durchgeführt. Es ist doch beispielsweise einfach störend, wenn man sich mitten im Film fragen muss, was im Drei-Teufels-Namen „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ in der Porno-Abteilung einer Videothek verloren hat?

Größter Minuspunkt aber ist ganz klar die Optik: Jeder Sekunde sieht man an, dass in Hochgeschwindigkeit gedreht wurde. Pro Tag wurden laut Presseheft etwa sieben Minuten fertig gestellt, da blieb für eine durchdachte Lichtsetzung wohl schlicht keine Zeit. Entsprechend zufällig variiert die Lichtstimmung.

Klasse ist hingegen der Soundtrack, der nicht nur als reines Hintergrundgedudel aus dem Off gespielt wird, sondern teils auch recht spaßig auf sichtbare (wenn auch nicht unbedingt reale) Quellen zurückgeführt wird. Budgetschonend wurden die Songs von Regisseur Mike Marzuk (gemeinsam mit Musiker Bernhard Drax) komponiert.

Alles in allem ist „Weißt was geil wär...?!'“ ein nettes, unterhaltsames Debüt, dass zwar (schon wegen der Optik) nicht unbedingt im großen Kinosaal laufen muss, im Uni- oder Open-Air-Kino aber doch ganz gut vorstellbar ist.






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