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Kritik: Sommer (2007)


Hach ja, die erste Liebe. Unzählige Filme kreisen um das Thema, jedes Jahr buhlen neue Variationen um die Herzen pubertärer Mädchen und jede Generation kennt ihre eigenen Klassiker. Wird „Sommer“ so ein Klassiker? Nun, für um die 13-jährige Extrem-Fans von Jimi Blue Ochsenknecht, denen alles andere egal ist, solange ihr Idol nur oft genug in Großaufnahme zu sehen ist, vermutlich schon. Für alle anderen dürfte es eher ein klassischer Fehlgriff sein.

Das Drehbuch, verfasst von Sebastian Wehlings und Peer Klehmet, versammelt, von den verständnislosen, voreingenommenen Eltern, über ebenso voreingenommene Polizisten und arrogante Faztke beiderlei Geschlechts, eine illustre Schar von Klischeefiguren. Für einige der etwas wichtigeren Charaktere haben sich die beiden Autoren dann etwas ganz besonderes einfallen lassen: Gleich zwei Klischeefiguren in einer. Diese lustige Verschmelzung führt dann zu mitunter etwas schizophren wirkenden Wandlungen. Hinzunehmen sind dabei ja noch Charaktere wie die nervtötende große Schwester, die dann plötzlich zum einzig mitfühlenden Wesen mutiert; das von den Mitschülern dauergedisste Moppelchen, dass aber ganz unverdrossen jeden Tag mit neuem coolen Spruch auf dem T-Shirt in der Schule erscheint, oder auch die schüchterne Schöne, die aus heiterem Himmel, gar nicht mehr schüchtern, ihr Herz für das schikanierte Moppelchen entdeckt.
Wirklich irritierend aber sind ausgerechnet die wichtigsten weiblichen Charaktere – die Hauptfigur Vic und ihre beste Freundin: Vic ist eine verträumte 15-Jährige die, von den Eltern klar bevzorzugt, von der großen Schwester gepiesackt, ihr Rückgrat erst in der Schlussphase des Films entdeckt. Zwar muss sie sich von ihren liebenswerten Mitschülerinnen wegen ihrer unmodernen Klamotten unschöne Sprüche anhören, gleichzeitig aber ist sie ausgerechnet mit dem arrogantesten Arsch der ganzen Schule seit Jahren zusammen und damit auch Teil der versnobbten Surferclique. Schul-Queen und Außenseiterin in Personalunion also.
Passend dazu steht ihr ihre beste Freundin zwar bei Attacken der anderen Schülerinnen zur Seite, zeigt sich dann aber als so arrogante wie intrigante Schnepfe, die die angeblich beste Freundin mehrfach belügt und dazu drängt, endlich das „erste Mal“ hinter sich bringen – nur um sich nach den eigenen verkorksten ersten Sexversuchen besser zu fühlen. Am Ende, ein weiteres Mal – warum auch immer – um 180 Grad gewandelt, gibt sie dann die reuige Heulsuse. Ganz ehrlich, mit einer solchen besten Freundin braucht man keine Feinde mehr.
Die Frage muss gestattet sein: Mit wem, liebe Autoren, sollen sich denn hier die Mitglieder der von euch anvisierten Zielgruppe identifizieren? Und: Wäre es nicht vielleicht zweckdienlicher gewesen etwas mehr Zeit in die Figurenentwicklung zu stecken, statt sie dafür zu verschwenden sich coole, marketing-taugliche T-Shirt-Sprüche einfallen zu lassen?

Regisseur Mike Marzuk ("Weißt' was geil wär'?" wusste denn auch mit dem Drehbuch nicht allzuviel anzufangen – ein Kreativfeuerwerk zumindest sieht anders aus. Weitgehend beschränkt sich Marzuk darauf, den aus Marketingsicht so extrem wichtigen Ochsenknecht junior häufig und groß genug ins rechte Bild zu rücken. Die anderen Darsteller aber wurden von ihm offenbar hauptsächlich ihrer Eigeninterpretation überlassen. So wirken, ganz folgerichtig, gerade die unerfahreneren Darsteller, allen voran Hauptdarstellerin Sonja Gerhardt, hin und wieder recht hilflos.

Fazit: Jimi Blue-Fans kommen sicher auf ihre Kosten. All jenen aber, die der Anblick von Ochsenknecht junior nicht direkt in Verzückung versetzt, sei angeraten, sich an der Kinokasse für etwas anderes zu entscheiden.





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