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The Good, the Bad, the Weird - Poster
The Good, the Bad, the Weird - Poster
© 20th Century Fox

Kritik: The Good, The Bad, The Weird (2008)


Vor über vierzig Jahren revolutionierte ein Mann den Western: Sergio Leone. Er veränderte nicht nur alles, wie einstmals John Ford in den 1930ern und 40ern, etablierte er einen völlig neuen visuellen Stil, brachte aber – und das war neu – eine bis dato nicht gekannte konsequente Härte ins Geschehen und krönte alles mit einer satten Portion Ironie und Sarkasmus. Geboren war ein neues Subgenre – der Italowestern.
Nun schickt sich der koreanische Regisseur Kim Jee-Woon seine eigene Vision dieser Filmgattung in die Kinos zu bringen. Der Titel verheißt einiges und verweißt deutlich auf das große Original: „The Good, The Bad, The Ugly“ (deutscher Titel: Zwei Glorreiche Halunken). Auf den ersten Blick findet sich lediglich eine kleine Abwandlung im Titel: Aus „The Ugly“ (dem Hässlichen) ist „The Weird“ (der Sonderbare) geworden. Doch dieser Streifen möchte seinen ehrenvollen Vorgänger nicht einfach kopieren oder imitieren. Der Ort der Handlung ist ein anderer – ebenso wie die Zeit. Und der Film hat eine politische Note, die in die heutige Zeit nachwirkt, anders als beim Klassiker, bei dem die geschichtlichen Reminiszenzen, des amerikanischen Bürgerkriegs (1861 – 1865), eher der Unterfütterung der Handlung dienten. Die koreanische Produktion bemüht sich damit um ihre Eigenständigkeit und verzichtet dafür auch weitgehend auf eine musikalische Untermalung, wie sie unverwechselbar Ennio Morricone kreierte. Das wird mehr als spürbar.
Wie im Original aber, dreht sich alles um einen fetten Batzen Kohle: Eine Landkarte verheißt den Weg zu einem großen Schatz. Während eines Zugüberfalls gelangt diese, mehr aus Zufall, in den Besitz von Tae-goo „The Weird“ (Song Kang-ho). Eigentlich hatte es eine Räuberbande auf diese abgesehen und ist nun gar nicht erbaut und dem „Seltsamen“ auf den Fersen. Doch auch die anderen beiden Helden haben ihre höchst eigenen Motive, an diese Karte gelangen zu wollen. Do-won (Jung Woo-sung) „The Good“, Chang-yi (Lee Byung-hun) „The Bad“ und Tae-goo liefern sich ein tödliches Rennen zum Lageplatz des Schatzes. Es werden Allianzen geschlossen und gebrochen, es gibt Intrige und Verrat. Wilde Schießereien, mehr an ein Gangsterepos als an einen Western erinnernd, Martial-Arts-Einlagen, wie sie bei einem Eastern nicht anders zu erwarten sind, und natürlich läuft alles unausweichlich auf die endgültige Konfrontation, unter erbarmungslos niederbrennender Wüstensonne, zwischen den drei Kontrahenten hinaus.
Einiges erinnert tatsächlich sehr an das Original. Doch es ist nicht der Wilde Westen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Kim Jee-Woon siedelt die Handlung in den 1930er Jahren an. In dieser Zeit erreichten die Expansionsbestrebungen des japanischen Kaiserreichs ihre größte Ausprägung: Korea und Teile Chinas sind von japanischen Truppen besetzt die drei Outlaws sind Koreaner, die sich in die Mandschurei abgesetzt haben, einer Region die von Gesetzlosen und Revolverhelden regiert wird. Hier reicht der Starke Arm Japans nicht uneingeschränkt hin. Und genau in dieser abgeschiedenen Provinz wird sich ihr Schicksal erfüllen.
Fazit: „The Good, The Bad, The Weird“ ist keine Remake von „The Good, The Bad, The Ugly“, dennoch nimmt der Film klar Anleihen am Klassiker. Besonders in Punkto visueller Gestaltung, wenn auch die Kulisse der Mandschurei nicht so malerisch wirkt, wie die Schauplätze im Leone-Western. Ebenso mangelt es nicht an brachialer Gewalt und skurrilen Situationen. Doch die Dialoge entpuppen sich oft einfach als zu naiv und simpel gestrickt. Mag sein, dass beim Übertrag ins Deutsche eine Menge verloren ging. Unterhalten kann der Film streckenweise dennoch, wenn auch der Mix aus Eastern und Western sehr gewöhnungsbedürftig ist.




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