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Zu scharf um wahr zu sein
Zu scharf um wahr zu sein
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Zu scharf um wahr zu sein (2009)


Welcher Mann hat sie nicht? Die erotische Phantasie von der absoluten Traumfrau. Der glatten 10 auf der imaginären wie höchst subjektiven Bewertungsskala. Regisseur Blake Edwards widmete 1979 diesem männlichen Kopfkino sogar einen eigenen Film, der erwartungsgemäß "Zehn, die Traumfrau" hieß. Mit Bo Derek und Dudley Moore standen damals zwei Darsteller vor der Kamera, die sicherlich eher ein etwas reiferes Publikum ansprechen sollten. "Zu scharf, um wahr zu sein" nimmt sich des Themas der scheinbar unerreichbaren Traumfrau erneut an, und trotz der Protagonisten, die erkennbar in den Zwanzigern sind, ist diesmal nicht ganz ersichtlich, für wen diese Komödie eigentlich gedacht ist; pendelt der Klamauk doch permanent von angenehm entschleunigt wie dialoglastig bis feucht-glitschig und genital-pubertär.

Der schmalbrüstige Kirk (Jay Baruchel), der etwas nerdig rüberkommt, ist im Grunde ein totaler Durchschnittstyp. Er arbeitet beim Flughafen-Sicherheitsdienst, hätte aber durchaus Potenzial für mehr; mit dem Selbstvertrauen ist das allerdings so eine Sache. In manchen Dingen ist er einfach zu jämmerlich. Das finden auch seine Freunde und Kollegen: Seine Ex, die ebenfalls am Flughafen arbeitet, darf beispielsweise noch immer mit zum Sonntagsessen zu Kirks Eltern – samt neuem Lover. Das ist wirklich zu erbärmlich. Ausgerechnet Kirk nun begegnet eines Tages die superscharfe Blondine Molly (Alice Eve). Bei der Sicherheitsabfertigung im Flughafen lässt sie ihr Handy liegen, und als Kirk ihr das gute Stück persönlich aushändigt, ist er ihr Held. Zum Dank lädt sie ihn zu einem Match seines Lieblingseishockeyteams ein – und dabei bleibt es nicht: Molly, die kultiviert und beruflich erfolgreich ist und darüber hinaus auch noch aus gutem Hause stammt, scheint tatsächlich an Kirk gefallen zu finden. Aber noch sind alle Hürden nicht genommen. Es stehen Besuche bei den Eltern von Molly und Kirk an, und die erste intime Nacht, scheint auch noch zu einem Problem zu werden.

Es ist die Utopie des kleinen Mannes oder die urbane Legende, dass die schönsten Frauen immer nur allein herum stehen, da sich niemand traut, sie anzusprechen, welche ein wenig bei diesem Streifen mitschwingt. Mehr als eine Randnotiz ist das aber nicht wert: "Zu scharf, um wahr zu sein" bleibt im Kern eine Comedy-Romanze, die im Positiven versucht sich ein Beispiel an "Jungfrau (40), männlich, sucht…" zunehmen, aber leider ebenfalls die Finger nicht davon lassen kann, gelegentlich richtig zotig im Stile von "American Pie" zu werden. Zu den wenigen ausgesprochenen Highlights des Films gehört der Besuch des ungleichen Paars bei Kirks Eltern und Verwandten. Ein seltsames Sammelsurium des unteren amerikanischen Prolo-Bürgertums mit deutlichen White-Trash-Anleihen. Für ein paar Augenblicke entsteht hier der Eindruck, der Streifen würde glatt Anlauf nehmen, in Richtung (Gesellschafts-)Satire umzuschwenken, aber derart scharfzüngig wollte man dann wohl doch nicht sein.

Fazit: Nett angedachte Beziehungsklamotte, die erfreulicherweise nicht versucht, noch schriller und überdrehter zu sein, als das, was üblicherweise aus der Hollywood-Comedyretorte kommt. Leider ist der Wortwitz aber nicht derart ausgeprägt, dass die Armut an originären wie zündenden Gags damit kompensiert werden könnte. Die paukenschlagartig wie unpassend eingestreuten Gags aus der unteren Schublade pubertärer Teeniestreifen retten das dann auch nicht; sorgen stattdessen für deutlich mehr Befremdung. Die Story lebt zwar von der Gegensätzlichkeit der Protagonisten und der Idee, dass Liebe alle Schranken überwinden kann. Zu scharf, um wahr zu sein wird aber kaum die Erinnerungsschranken überwinden können, um im Gedächtnis haften zu bleiben.





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