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Carriers
Carriers
© 2009 Twentieth Century Fox

Kritik: Carriers (2009)


Selbst Zombies erleben etwas wie Evolution. Zu Beginn seelenlose Kreaturen, die ihre Wurzeln im afrikanisch-karibischen Voodoo-Kult haben, entwickelten sie sich im Film allmählich zu virusverseuchten Mutanten, denen der Tod nichts anhaben kann und die von einer elementaren Kraft angetrieben werden: der Gier nach menschlichen Fleisch. George Romero war es, der dieses Motiv in das Genre einführte. Und in Paul W. S. Andersons „Resident Evil“-Reihe wurde der Virus/Zombie-Horror technologisch schließlich auf die Spitze getrieben. Jüngst entdeckte dieses Motiv sogar der Sci-Fi-Thriller in dem frisch anlaufenden „Pandorum“ für sich. Ehrlicherweise muss aber hinzugefügt werden, dass ebenfalls Anderson sich bei diesem Film für die Produktion verantwortlich zeichnete. „Carriers“ kommt da etwas anders daher: Hier sind die Lebenden gewissermaßen die seelenlosen Zombies; die Toten hingegen sind so tot, wie Tote eben nur sein können und bleiben es auch.

An der Seite von vier gut aussehenden jungen Menschen (zwei Brüder mit ihren Freundinnen) begibt sich der Zuschauer auf einen Endzeit-Roadmovie-Trip: Ein Killervirus hat zugeschlagen und die Menschheit fast vollständig ausgelöscht. Die ersten Bilder im Film erinnern aber mehr an die Stimmung von „Wrong Turn“, als an einem Virusthriller. Tatsächlich läuft die Geschichte aber nachfolgend in dramaturgisch anderen Bahnen ab. Es dauert dennoch recht lange bis klar wird, dass sich hier kein Infizierter plötzlich in eine rasende Kreatur verwandeln wird. Und spätestens an diesem Punkt werden sich die ersten zu fragen beginnen, was für eine Geschichte „Carriers“ eigentlich erzählen will.

Es gibt eine Reihe moralischer Fragestellungen, die damit auf die Spitze getrieben werden, dass sich die vier Protagonisten eines Fremden und seiner infizierten Tochter (etwas widerwillig) annehmen. Obwohl es mehr als aberwitzig anmutet, die beiden mitzunehmen, werden sie im hinteren Teil eines großen SUV´s isoliert, damit quasi in Quarantäne gelegt. Der Vater hat von einem Ort gehört, an dem es ein Medikament gegen die Seuche geben soll. Von dieser Hoffnung angetrieben, möchte er seine kleine Tochter dorthin bringen. Zu sechst macht man sich also auf den Weg; wie lange aber werden die vier den Mann und seine Tochter, die als gefährlicher Ballast empfunden wird, bei sich dulden?

Um die Aktionen der Figuren halbwegs glaubhaft zu gestalten, wird allen natürlich eine ordentliche Portion Paranoia verpasst. Stets mit Mundschutz und Unmengen an Desinfektionsmitteln bewaffnet, fahren sie durch entvölkerte Landschaften und irren in geisterhäusergleichen Gebäuden herum. So richtig überzeugend wirken die Schutzmaßnahmen aber nicht, und regelrecht programmatisch werden die Hauptdarsteller nicht von der Heimsuchung durch den Killervirus verschont bleiben. Wie weit es dann mit der Moral ist, entpuppt sich als zentrale Frage.

Fazit: Puristischer Thriller in dem das Überleben an sich Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist. Und da dies ohne Sinn für Egoismus kaum gelingen kann, wird der Mensch auf diese eine niedere Emotion reduziert. Implizit wird vielleicht noch gefragt, ob das alles ist, was in uns steckt, wenn es um die eigene Haut geht?
Von echter Gesellschaftskritik ist das allerdings weit entfernt und als Motiv reicht es allein nicht aus, Spannung zu erzeugen. Überdies fordert der Verzicht auf platten Zombiehorror zusätzlich seinen Tribut - durch den Mangel an Überraschungseffekten wird der Film nicht gerade kurzweiliger.




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