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Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire
Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire
© 2009 Universal Studios

Kritik: Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire (2009)


Die transsylvanischen Untoten erleben regelmäßig ihre mediale Wiederauferstehung. Selbst nach längerem Absenz in den Regalen der Buchläden oder den Kinosälen kehren die beliebten Blutsauger immer wieder zurück. In Wandel der Zeit verändern aber auch sie ihr Gesicht, und jede Generation von Autoren und Filmemachern interpretiert den Mythos aufs Neue.

Den Hype um die unsterblichen Kreaturen der Nacht verdankt man Bram Stoker (auch wenn es noch viel ältere Sagen um die sogenannten Wiedergänger gibt). Eine Legende um den rumänischen Fürsten Vlad III. Dräculea nahm Stoker zur Vorlage für seinen Roman "Dracula". Leider erlebte er den Erfolg seines Werkes nicht mehr: Er starb verarmt im Jahre 1912. Sein Buch aber hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Vampirfilms und wurde, zuletzt 1992 von Francis Ford Coppala ("Bram Stokers Dracula"), mehrfach adaptiert.

Inzwischen ist das Übel aus den Karpaten aber in der Neuzeit angekommen und wird mitunter auf reichlich weichgespülte Weise interpretiert. Gemeint ist natürlich die "Twilight"-Saga mit all ihren noch zu befürchtenden Sequels. Und auch wenn man sich damit abgefunden haben sollte, dass alles Zetern und Kopfschütteln über die Vampir-Teenieschmonzette nichts bringt – die Fans werden ohnehin in jede Fortsetzung in Scharen strömen – wünscht man sich vielleicht doch eine neuzeitliche Adaption mit etwas mehr Biss.

"Mitternachtszirkus" entführt in die Welt des fahrenden Volkes, der Gaukler und der Schausteller; nicht aber jener, die man in jedem Allerweltszirkus antreffen würde. Es ist ein bizarrer Karnival, eine Freakshow von allerlei sonderbaren Kreaturen bevölkert: Schlangenjungen, Wolfsmenschen, Affenmädchen, Zwergen, Goblins und natürlich Untoten. Die beiden 14-jährigen Freunde, Darren (Chris Massoglia) und Steve (Josh Hutcherson) geraten in diese Welt und landen an den entgegengesetzten Fronten: Es tobt schon lange ein Krieg zwischen Vampyren und Vampiren (solchen, die Menschen töten, um sich zu nähren und anderen, die sich mit einer Blutspende begnügen). Die Jungen werden jeweils von einer Seite vereinnahmt und stehen sich alsbald als Feinde gegenüber.

Die Gemeinsamkeiten zwischen "Twilight" und "Mitternachtszirkus" beginnen damit, dass beide Filme oder Filmreihen auf literarischen Vorlagen basieren. Im Jahr 2000 veröffentlichte der britische Autor den ersten Roman seiner Vampir-Saga ("Cirque du Freak"). Erzählt wird darin die Geschichte eines Teenagers, der seinem besten Freund das Leben retten will und dafür sein eigenes Leben verpfändet, zum Halbvampiren gemacht wird und in die Welt der Untoten und Freaks gerät.

Aufgrund von reichlich schrägem Humor und der düsteren Atmosphäre avancierte das Buch schnell zum Bestseller. Auch das hat diese Reihe mit den "Twilight"-Büchern aus der Feder von Stephenie Meyer gemein, wie auch den Umstand, dass die Bücher wie die Filme primär Teenager als Zielgruppe ins Auge fassen. Dennoch hoffte man zu Beginn und vielleicht sogar noch bis zur Hälfte von "Mitternachtszirkus", dass dieser Film ein wenig der schaurig-schönen und bitter-süßen Gothik-Atmosphäre zurückbringen möge und den jungen Leuten dieses Genre und seine besonderen Zauber auf eine klassischere Weise wieder schmackhaft machen könnte.

Die Sünden sind aber mitunter ähnlich denen "Twilights": Auch wenn nicht plattitüdenhaft und eindimensional die Schmalzkelle ausgepackt wird oder eine reaktionäre pseudochristliche Moral unterschwellig transportiert wird, mangelt es auch hier an Tempo und Intensität. Der Film will einfach nicht recht Fahrt aufnehmen und die Duelle zwischen Gut und Böse wirken nur selten ernstlich gruselig. Komplexer als beim Konkurrenten ist die Geschichte aber zumindest, und durch das Element des Freakshow-Zirkus wird für deutlich mehr szenische Abwechslung gesorgt. Kreatives Potenzial hat die Geschichte somit und könnte durchaus fesseln, wenn nicht wiedermal so zahm inszeniert worden wäre. Hoffentlich legen da die bereits geplanten Fortsetzungen ein paar Schippen drauf.

Fazit:
"Mitternachtszirkus" wartet mit einer recht abwechslungsreichen Geschichte auf, die bereits in Ansätzen eine komplexe Mythologie erkennen lässt - zumindest deutlich mehr, als manch eine romantische Verkitschung des Stoffes, die sich auf Schmachteinlagen beschränkt. Die Darsteller wirken zudem deutlich interessanter und nicht stupf eindimensional, wie das bei vielen teenagergerechten Filmen erschreckend oft realisiert wird. Trotz des Potenzials aber, wurde wieder mal mit angezogener Handbremse inszeniert, was derzeit einfach ein fragwürdiger Trend aus Übersee ist. Mag diese Verzahmung noch bei Jugenfilmen nachvollziebar sein, wird sie inzwischen aber auch bei den Filmstoffen für Erwachsene angewendet. Die Studios wollen scheinbar nur noch Teenager und Twens in den Kinos haben, die ihnen die Kohle Säckweise hineintragen und sich ihren neuen Favoriten auch ein drittes Mal genüsslich anschauen. Wenn dieser Trend anhält, können die "Oldies" bald nur noch die alten Schinken im TV schauen oder sich die DVD´s gönnen, die anschließend als erweiterte Fassung ohne Zensus in den Markt gelangen.




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