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The Cabin in the Woods
The Cabin in the Woods
© Lionsgate

Kritik: The Cabin in the Woods (2012)


Gute Filme zu machen, ist alles andere als leicht. Gute Horrorfilme auf die große Leinwand zu bringen, mitunter schon ein Ding der Unmöglichkeit. Den meisten Gruselstreifen haftet viel zu oft ein gehöriges Maß an unfreiwilliger Komik an oder – und das ist ein Trend, der insbesondere in den letzten Jahren wie ein hoch infektiöser Virus grassierte – sie zählen zu der Gattung der Gewaltpornografie, in Fachkreisen als Subgenre "Torture Porn" bezeichnet: Filme in denen meist völlig sinnfrei Menschen zu Tode gefoltert werden, während die Kamera die Blut- und Eingeweide-Show in expliziter anatomischer Großaufnahme festhält.

Drew Goddard und Joss Whedon, die Macher von Horror- und Mystery-Serien wie "Buffy" oder "Lost" und Filmen wie "Cloverfield" und "Avengers" schicken sich mit "Cabin in the Woods" an, das Genre, welches in delirösem Scheintod zwischen Lachnummer und menschenverachtender Ekelorgie dahin siecht, neu zu beleben. Tatsächlich ist der Film zu einer Mischung aus Hommage und Neuschöpfung aus altbekannten Versatzstücken geworden; zugleich eine Liebes- wie Hasspredigt, die mit viel Intelligenz und Kreativität hinter vorgeschobener stereotyper Vordergründigkeit aufwartet; und mit Schein und Sein elegant jongliert, um die Realität erst zu dekonstruieren und anschließend neu zu erschaffen.

Genretypisch beginnt der Streifen mit einer Gruppe junger Menschen, die gemeinsam zu einem Wochenendtrip in einer abgelegenen Hütte im Wald aufbrechen. Klischeehaft sind dementsprechend die Figuren aufgestellt: die schüchterne Dana (Kristen Connolly), Alphamännchen Curt (Chris Hemsworth), die freizügige Jules (Anna Hutchinson), Eierkopf Holden (Jesse Williams) und der revoluzzerische Kiffer Marthy (Fran Kran). Was die illustre Truppe nicht weiß, ist, dass sie sich in einer Art Versuchsanordnung befindet: Hütte und Waldterrain ringsum stellen so etwas wie ein Testgelände dar, in dem jede erdenkliche Art von Horrorkreatur auf sie losgelassen werden kann. Das Ganze scheint sogar einen wissenschaftlichen Zweck zu erfüllen; gibt es doch einen Kontrollraum, in dem die zwei Kittelträger Sitterson (Richard Jenkins) und Hadley (Bradley Whitford) sitzen und das übernatürliche Geschehen steuern. Auf jede Aktion der Versuchstiere folgt eine entsprechende Reaktion, sodass die Probanden unentwegt um ihr Leben kämpfen werden müssen.

Wenig originell, geradezu wie ein 08/15-Teenie-Slasher gibt "Cabin in the Woods" seinen Einstand. Mit dem Offenbaren der Beobachter im Kontrollraum scheint bereits das überwiegende Maß an Pointen vorweggenommen und das Publikum geneigt zu denken, dass die übrige Handlung vorhersehbar sein wird. In dem Punkt leisten Goddard und Whedon dann wirklich Meisterliches und liefern ein wildes Potpourri an überraschenden Wendungen und Handlungsverläufen, die gekonnt Spannung und Adrenalinpegel konstant hoch halten. Mit voller Absicht wird dazu bei Genreklassikern wie Sam Raimis "Tanz der Teufel", "Freitag der 13.", "Hellraiser" und sogar Ridley Scotts SciFi-Horror-Geniestreich "Alien" aus dem Vollen geschöpft. Sogar an einen krönenden Cameo wurde gedacht. Bei solcher Überfülle der visuellen Zitierkunst muss sich allerdings in Acht genommen werden, das Ganze nicht zu einer Version von Horror-Karneval verkommen zu lassen. Zu viel Sahne kann schließlich selbst die beste Torte am Ende noch ruinieren.

Den Filmemachern gelingt es jedoch glücklicherweise den Bogen nicht komplett zu überspannen, wenn im Show-Down auch nur ganz knapp. Seine Eigenständigkeit zieht "Cabin in the Woods" aber aus dem Umstand, dass seine Figuren keine willfährigen Lämmer sind, die sich bereitwillig zur Schlachtbank führen lassen. Sie stemmen sich ihrem augenscheinlich unausweichlichen Schicksal entgegen, was dazu führt, dass die Ebenen aus Versuchsleitern und Testpersonen, die immer wieder mit viel Ironie im Wechsel der Perspektiven gegenüber gestellt werden, im letzten Drittel des Films sogar verschmelzen. Erinnerung werden da an Klassiker wie "Westworld" wach, als der entfesselte Djinn einfach nicht mehr in die Flasche zurück wollte. Wobei sich das Motiv des Geistes aus der Flasche und des vermeintlichen Herren hierin final durchaus noch verkehrt. Dabei läuft der Film durchaus Gefahr, einen Haken zu viel schlagen zu wollen. Vom Schlaumeiern (weil man halt weiß, wie es geht), bis zum Klugscheißern (weil man meint, gewitzter als alle anderen zu sein) ist es manchmal gar nicht weit entfernt.

Fazit: Junge wie alteingesessene Horrorfans können sich hier durchaus ergötzen. Wer zu jung ist, um die vielen Anspielungen zu verstehen oder wem sie schlichtweg egal sind, wird zumindest eine clever angelegte Story mit reichlich Eigenständigkeit vorfinden. Darüber hinaus ist der Film einfach gelungenes Entertaintment, dass im Subtext durchaus kritische Töne gegenüber sinnbefreiten Metzelorgien aufweist, wenn es auch für eine echte Satire nicht ausreicht. Dafür bleibt "Cabin in the Woods" letzten Endes zu sehr den Grenzen des Genres verhaftet.




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