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Miki Manojlovic und Carlo Ljubek in 'Die Welt ist...rall'
Miki Manojlovic und Carlo Ljubek in 'Die Welt ist groß und Rettung lauert überall'
© Arsenal

Kritik: Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (2008)


Der Film ist sentimental, aber Rettung erscheint in Gestalt des wunderbaren Miki Manojlovic ("Irina Palm", "Underground"): Er spielt den störrischen bulgarischen Dissidenten und Backgammonkönig Bai Dan, der sich eines Tages nach Leipzig aufmacht. Dort lebt sein Enkel Alexander (Carlo Ljubek), der nach einem schweren Autounfall an Amnesie leidet. Sein Opa versucht vergeblich, ihn an sein Leben zu erinnern. Nachdem sich die beiden schließlich aber auch ohne geteilte Erinnerungen nahe kommen, überrumpelt Bai Dan Alexander eines Tages mit einem Tandem, auf dem sie sich kurzerhand nach Bulgarien aufmachen, um so sein Gedächtnis wieder wachzurütteln.
Eine gegenläufige Dramaturgie verhindert dabei den Abrutsch ins Rührselige: Während Opa und Enkel mit viel Spaß und Rotwein durch idyllische Landschaften radeln, kommen in Rückblenden immer mehr bittere Erinnerungen an die Zeit in einem italienischen Flüchtlingslager hoch - Alex floh als Kind mit seinen Eltern gen Westen, um Repressalien der kommunistischen Junta zu entkommen, die ihnen indirekt der aufmüpfige Bai Dan eingebrockt hatte.
Alexander selbst bleibt fast den ganzen Film über reichlich blass – Ljubek erweist sich schnell als nicht unbedingt glückliche Besetzung und funktioniert eigentlich am besten mit Vollamnesie im Krankenhaus. Manojlovic gleicht diese Schwäche allerdings mühelos aus – so verzeiht man ihm auch das Umherwerfen mit allerlei wackeligen Lebensweisheiten, die er aus dem Backgammonspiel destilliert.
Unterm Strich ist der Film ein warmherziger, bedächtig erzählter Roadmovie, der trotz des ungewöhnlichen Fahrzeugs und der verschachtelten Dramaturgie erstaunlich altmodisch wirkt, was nicht zuletzt am überzogenen Weichfilter im rumänischen Städtchen liegt. Gleichzeitig wird bewiesen, dass Kooperationen von mehr als zwei Ländern nicht zwangsläufig zu einem wabbeligen Europudding ausarten.
Bleibenden Wert hat vor allem die Darstellung von Miki Manojlovic, den man eigentlich viel öfter im Kino sehen müsste.




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