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Filmplakat - 'The Last Giants - Wenn das Meer stirbt'
Filmplakat - 'The Last Giants - Wenn das Meer stirbt'
© PROGRESS Film-Verleih

Kritik: The Last Giants - Wenn das Meer stirbt (2009)


Früher gab es sogar Blauwale dort. Gemeint ist keine ferne Küste an den Gestaden der großen Ozeane; in der schmalen Meerenge von Gibraltar, dem Ort, an dem sich das Mittelmeer und der Atlantik wie zwei Liebende vereinen. Dort wo Europa und Afrika, an der schmalsten Stelle, nur ganze 14 Kilometer voneinander trennen. Blauwale gibt es heutzutage dort keine mehr. Längst sind diese Populationen von Menschenhand ausgelöscht. Was aber kaum jemand vermuten würde, ist, dass es dort nebst Kleinwalen (Delphinen) eine ganze Reihe Arten dieser großen Meeressäuger gibt: Grindwale, Finnwale, Potwale und Orcas. Für manche ist es der Ort, an dem sie ihre Jungen zu Welt bringen, für andere die Nahrungsgründe. Allein schon damit kollidiert das Überleben der Tiere mit der Existenzgrundlage ortsansässiger Fischer.

Als der gebürtige Kölner Filmemacher Daniele Grieco, um Urlaub zu machen und ein paar gute Wellen zu Surfen zu erwischen, vor Ort war, wusste er von diesen Tatsachen noch nichts. Erst als er sah, dass Whalewatching-Touren angeboten wurden und er eines dieser Boote bestieg, wurde er mit der Problematik konfrontiert. Auf dem Boot befand sich Katahrina Heyer, eine ehemalige Modedesignerin, die schon seit vielen Jahren aktive Aufklärungsarbeit leistet und versucht die Tiere zu schützen. Die Begeisterung, mit der sie von ihrer Arbeit berichtete, war für Grieco, der schon immer mal einen Film über das Leben in den Weltmeeren machen wollte, die Initalzündung für den Dokumentarfilm „The Last Giants“, der seit dem 17. September in den deutschen Kinos läuft.

Ganz ohne aufgesetztes Pathos schildert Grieco die Fakten vor Ort. Dabei wirkt die Meerenge von Gibraltar regelrecht wie ein Hot-Spot, der einen generelle, weltweite Problematik, an einer eng begrenzten Stelle, ganz besonders ans Tageslicht befördert: Über 300 Containerschiffe pflügen täglich durch die schmale Passage. Die größten wiegen mehr als 100.000 durchschnittliche Pkw´s und sind länger als zwei Fußballfelder. Kollisionen sind mit den Walen unvermeidlich. Ein 50 Tonnen Pottwal erscheint uns wie ein Koloss, verglichen mit solch einem Schiff, wirkt er wie eine Makrele. Diese Zusammenstöße haben für die Tiere meist verheerende Folgen. Viele verenden qualvoll, wenn sie nicht gleich getötet werden. Neben dieser Gefahr, gibt es schnittige Doppelkiel-Schnellboote, die den Fährbetrieb zwischen den Küsten Europas und Afrikas aufrechterhalten. Immer wieder schlitzen diese, skalpellgleich, Wale auf. Verstümmelung oder der Tod sind auch hier die Folgen.

Und es existieren noch viele andere Gefahrenherde: grassierende Umweltverschmutzung; scharfe, hunderte Meter lange, Fischerleinen, die den Tieren die Flossen durchtrennen und kontinuierliche Überfischung. Die Tiere drohen mitunter zu verhungern. Katharina Heyer kämpft gegen diese Zustände. Ihr Projekt: ein Walhospital an der Küste Marokkos, um verletzte Tiere wieder gesund zu Pflegen. Grieco begleitet Heyer und dokumentiert ihre Bemühungen: einen frustrierenden, viele Jahre währenden, Kampf gegen bürokratische Mühlen, die dem Bakschisch gegenüber empfänglicher sind, als dem gesunden Menschenverstand. Viele Interessengruppen ringen an diesem Ort, um ein Stück vom, immer kleiner werdenden, Wohlstandskuchen. Hauptgefahr, das kristallisiert sich bei diesem einprägsamen Film heraus, sind und bleiben die Containerschiffe. Diese versorgen durch dieses Nadelöhr überwiegend westliche Bedürfnisse. Die Konsumenten haben sich in einer globalisierten Welt daran gewöhnt, zu jeder Zeit, jedwedes Gut erwerben zu können. Kein Gedanke wird daran verschwendet, dass diese Waren über den halben Globus transportiert werden müssen. Dafür wird ein viel zu hoher Blutzoll eingefordert.

Fazit: Ein wichtiger Film, der uns mit einem Problem konfrontiert, dass geografisch gar nicht weit weg ist, in der öffentlichen Diskussion bislang aber fehlte. Daniele Grieco hat seinen Teil dazu beigetragen dies zu ändern. Dabei verzichtet er auf pathetische Einlagen und kommentiert das Geschehen nicht zusätzlich. Die nackte Realität und die Bilder sprechen für sich. Abseits aufgeblähter melodramgleicher Tierdokumentationen, beweist er damit, dass man Herz und Hirn der Zuschauer gleichermaßen erreichen kann, ohne sie im Kitsch zu ersticken. Man darf auf mehr aus der Filmbüchse Griecos gespannt sein.




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