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Unsere Ozeane
Unsere Ozeane
© Universum Film

Kritik: Unsere Ozeane (2009)


Die Ozeane sind die wahren Lungen dieses Planeten. Ein Großteil des in der Atmosphäre zirkulierenden Kohlendioxids wird dort absorbiert und im Gegenzug Sauerstoff wieder abgegeben. Darüber hinaus stellen sie eine unserer wertvollsten Ressourcen dar. Zwei Drittel der Menschheit ernähren sich fast ausschließlich von den Früchten der Meere. Und sie sind auch der Ort, indem vor 3,9 Milliarden Jahren das Leben seinen Anfang nahm. Lange dümpelten die ersten Lebensformen lediglich als ein- oder mehrzellige Organismen dahin, bis plötzlich, vor ungefähr 600 Millionen Jahren, Vielfalt und Komplexität scheinbar urplötzlich explodierten und alle uns heute bekannten organismischen Baupläne innerhalb (geologisch) kürzester Zeit entstanden. Alles Leben, das heute existiert, begann somit in irgendeiner Form einmal in den Tiefen der Ozeane.

In Zeiten, in denen das ökologische Damoklesschwert munter über unseren Köpfen kreist, haben Naturdokumentationen berechtigterweise Hochkonjunktur. Meist geht aber die eigentlich Botschaft in unsäglichem Pathos, tränenreichem Kitsch und einem aufgesetzten moralischem Imperativ verloren. Überdies neigen viele Macher dazu, die Wild-Kreaturen allzu sehr zu vermenschlichen. Das mag in einem Animationsfilm aus der Disney-Filmschmiede vielleicht nicht ausgesprochen negativ ins Gewicht fallen; bei einer Naturdoku mit selbsterklärtem pädagogischen Ziel, gleitet das aber schnell in eine naive Groteske ab.

Die Filmemacher Jacques Perrin und Jacques Cluzaud, die mit ihrem Meilenstein des Naturfilms "Nomaden der Lüfte" im Jahr 2001 bereits für Furore sorgten, tauchen nun in unergründliche Welt der Ozeane ein und präsentieren eine bildgewaltige Filmkomposition, die sich mit den allerbesten Werken dieses Genres messen kann. Wie eine klassische Symphonie beginnt und steigert sich der Film allmählich bis zum Crescendo hin. Die berauschenden Bilder laden ein, in dieses faszinierende Universum unter der Wasseroberfläche einzutauchen, zu verweilen und sich ein wenig darin zu verlieren. Einziges Manko vielleicht, dass der Film nicht antritt, um im herkömmlichen Sinne Wissen zu vermitteln.

Dafür überzeugen einzigartige filmische Momente: Wirbelnde Silberstrudel gebildet aus Millionen von Schwarmfischen wechseln sich ab mit Delfinen, die spielerisch leicht eine Ballet-Choreographie zum Besten geben, fliegenden Fischen und Quallen, die ein bizarres Schauspiel veranstalten. Gesprochen wird zu den Bildern eher spärlich. Das ist auch gar nicht notwendig. Die Poesie der Bildimpressionen ist auch so beredt genug und erzeugt automatisch eine pädagogische Dimension, die ohne zugesetztes Pathos auskommt. Angesichts dieser Eindrücke, die keinen Moment langweilig werden und magisch in ihren Bann ziehen, sind im Grunde auch keine besonderen erzieherischen Statements vonnöten. Wer nicht begreift, dass dieser Kosmos der Vielfalt bewahrt werden muss, ist ohnehin völlig verpeilt.

Fazit: Wundervolle bildgewaltige wie ästhetische Naturdokumentation, die im Jahr der Biodiversität ein poetisches Zeugnis davon ablegt, wie atemberaubend schön und schützenswert die Vielfalt auf unserer Erde ist. "Unsere Ozeane" ist moralisch wie durch seine reine Bildmagie lehrreich, ohne aber plump pädagogisieren zu wollen. Ein Meisterstück des Naturfilms.





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