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Das Orangenmädchen - Kinoplakat
Das Orangenmädchen - Kinoplakat
© Neue Visionen

Kritik: Das Orangenmädchen (2009)


Purer magischer Realismus hätte in "Das Orangenmädchen" realisiert werden können. Eine Liebesgeschichte voll Poesie, die, der Familientauglichkeit und Gefälligkeit einer größeren Zielgruppe zuliebe, vor einem sehr banalen Coming-of-Age- und Pseudo-Familiendrama-Hintergrund verwirklicht wurde. Vielleicht sind die Grenzen dieser Inszenierung jene, welche im Prinzip jede Literaturadaption charakterisieren: Die Werktreue. Mitunter wäre es besser, sich von Vorgaben zu lösen – die Story und der erwachsene Zuschauer könnten es danken.

Der pubertierende Georg (Mikkel Bratt Silset), der nach dem frühen Tod des Vaters Jan Olav (Harald Thompson Rosenstrǿm) bei seiner Mutter aufwuchs, macht gerade ein schwierige Phase durch. Eigentlich liebt er seine Mutter über alles, andererseits kommt er schwer damit klar, dass sie nach vielen Jahren der Trauer und angesichts der Tatsache, dass er allmählich zu einem jungen Mann heranwächst, auch wieder ein eigenes Leben führen möchte. Und dazu gehört auch einen Partner zu haben. Doch das ist des Guten zuviel für Georg. In seinen Augen verrät sie damit das Andenken seines Vaters. Als er eines Abends nach Hause kommt und sie mit einem Mann antrifft, eskaliert der Konflikt. Da trifft es sich nicht schlecht, dass ein kleiner Skiurlaub für Georg ansteht. Das kühlt einerseits das Gemüt und er hat Zeit sich in Ruhe einem Vermächtnis seines Vaters zu widmen: Dieser hinterließ ihm Briefe, die eine zauberhafte Liebesgeschichte aus der Vergangenheit erzählen – von ihm und dem Orangenmädchen (Annie Dahr Nygaard).

So poetisch verzaubernd die leicht transzendente Romanze zwischen Jan Olav und der ätherischen wie Citrusfrüchte-liebenden Schönen ist, gleichermaßen uninteressant ist das, abhängig von den Hormonschwankungen pendelnde, Liebesgestolper des jungen Georg. Die Geschichte aus der Vergangenheit im Hier und Jetzt sich gewissermaßen spiegeln zu lassen, wirkt, gelinde gesagt, albern: Der magische Moment, den sein Vater erlebte – die Begegnung mit der reinen Liebe, die möglicherweise nur einmal unser Leben berührt – lässt sich nur schwerlich mit den ersten verzückten romantischen Momenten in Deckung bringen, die der Teenager aktuell erlebt. Auf den Waagschalen liegen auf der einen Seite, die lyrische Leichtigkeit der magischen Romanze aus vergangenen Tagen und auf der anderen, die holprige pubertäre Ersterfahrung. Wohin das Lot der cineastischen Gunst tendiert, wird kaum verwundern.

Bleibt die Aufarbeitung des familiären Konfliktes, dessen Installation in die Geschichte, schon zu Beginn ein mehr notwendiges Übel war, um so etwas wie eine gegenwärtige Dramaturgie zu etablieren. Inwiefern die Entwicklung dieses Zwistes überhaupt schlüssig aus dem Erzählten hervorgeht, scheint dabei nicht wirklich im Vordergrund gestanden zu sein. Viel an dieser Verfilmung des Bestsellers aus der Feder Jostein Gaarders wirkt insgesamt, als wäre es gemacht worden, da man der Meinung war, es gehöre irgendwie dazu. Weder wurde aber dabei an eine charakterliche Feinzeichnung der Figuren gedacht, noch konnte man sich dazu entscheiden, der magischen Liebe den Vorrang zu geben. So wetteifern eine schon Tausendmal gesehen Teenager-Dramödie mit einer übersinnlich anmutenden Romanze. Und unwillkürlich fragt man sich, wer hier nun eigentlich ins Kino gelockt werden sollte.

Fazit: Literaturadaption, die ihre Mitte sucht, aber nur schwerlich findet. Die magischen Momente, wechseln in einem etwas enervierenden Rhythmus mit der Realgeschichte, um die herum sich zwar alles abrollt, die aber kaum nennenswert zu interessieren vermag. Selbst die Familientauglichkeit könnte am Ende eingeschränkt gegeben sein: Die Jüngeren hätten vielleicht mehr mit Georg im Schnee gespielt und das etwas reifere Publikum mehr in den poetischen Bildern einer Liebe aus dem Feenreich geschwelgt.




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