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Anvil! The Story of Anvil
Anvil! The Story of Anvil
© Rapid Eye Movies

Kritik: Anvil! The Story of Anvil (2009)


Heutzutage sind Kurzzeit-Phänomene und One-Hit-Wonder in der Musikbranche die Regel. Bands hingegen, die bereits seit einem Vierteljahrhundert oder schon länger existieren, erscheinen wie Dinosaurier aus einer längst vergangen Zeit. Allzu viele davon gibt es allerdings nicht mehr; diejenigen aber, die es in die heiligen Hallen des Rock-Olymps geschafft haben, genießen unauslöschlichen Kultstatus. In der Regel sind das Bands, die weltweit Millionen Platten verkaufen und deren Fangemeinden nicht nur Generationen übergreifen, sondern sich auch über mehrere Kontinente erstrecken. Ist es denkbar, dass solch eine Rockband existiert, deren Mitglieder abseits des Musikrummels sich mit stupiden Brotjobs übers Wasser halten müssen? Da kann es sich wohl nur um eine wenig bekannte Spartencombo handeln, die einfach nicht das Potenzial für mehr besaß.

Die Heavy-Metal-Band "Anvil" trat in den 1980ern auf Konzerten mit Größen wie "Megadeth", "Metallica" oder "Motörhead" auf. Diese Bands genießen heute unumschränkten Kultstatus. Ihre Mitglieder sprechen aber noch immer mit großem Respekt von "Anvil" und loben deren Stil und Sound. Manch einer bezeichnet sie gar als Begründer des "Power Metals" oder gar "Godfather of Thrash Metal". In den 80ern waren sie tatsächlich ein Publikumsmagnet. Mit ihrem größten Hit "Metal on Metal" mobilisierten sie die Massen und füllten Stadien. Und der Frontman "Lips" lieferte zum euphorisierenden Sound die passende provokante Show: Er brach beispielsweise Tabus, indem er Gitarrensoli mit einem Dildo spielte. Der erwartete, kometengleiche Aufstieg blieb aber aus. Bands wie "Slayer", "Slash", und "Guns'n'Roses" zogen an ihnen vorbei. "Anvil" produzierte sogar 13 Alben; alle aber flopten mehr oder weniger.

Was also ist das Geheimnis und das Erfolgsrezept der anderen Bands? Warum war es "Anvil" nicht vergönnt, es ihnen gleichzutun? Was entscheidet letzten Endes über Top oder Flop? Die Dokumentation "Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft" versucht diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Darüber hinaus ist der Film aber auch Portrait der beiden Frontmänner; des Gitarristen Steve "Lips" Kudlow und des Drummer´s Robb Reiner, die gemeinsam vor über 30 Jahren, als 14-jährige, die Band gründeten. Während die Kamera die Frontmänner samt neuer Bandmember auf einer Tour quer durch Europa begleitet, sprechen beide offen über die Gründe des Debakels: schlechtes Management, miserable Labels, hastig produzierte Songs und mies abgemischte Tracks. Oft waren sie zudem zur passenden Zeit einfach nicht am richtigen Ort, so dass andere mit ähnlichem Sound und Stil sich vor ihnen positionieren konnten.

Immer hielten sie aber an ihrem Traum fest – bis heute. Selbst als die aktuelle Tour, aus der Distanz betrachtet, zum Spießroutenlauf und beinahe zum Desaster gerät, lassen sich Steve und Robb davon nicht unterkriegen. Obwohl beide altersmäßig inzwischen in den 50ern sind und sie manchmal nicht wissen, wie sie ihre nächste Miete zahlen sollen, ist die Musik stets ihr Lebensinhalt geblieben. Manches mal standen sie bereits nahe am Zerwürfnis, doch immer wieder einte sie die Liebe zum Rock sowie ihre unauslöschbare Freundschaft und der Glaube, doch noch ein spätes Comeback hinzubekommen. Und es existieren rund um die Welt Fans, die sie immer wieder ermutigen. Solch Idealismus ist etwas, wovon sich manch eine Eintagsfliegen-Casting-Combo durchaus eine Scheibe abschneiden könnte.

Fazit: Mit entblößender Ehrlichkeit, die zeitweise zum echten Seelenstrip gerät, verleihen die beiden Vollblut-Rockmusiker der Doku Leben und Authentizität; genauso wie sie es vermögen mit ihrer Begeisterung für das künstlerisches Schaffen tief zu berühren. Darüber hinaus liefert der Film Einblicke in das Geschehen des Musikbusiness, die dem Nichteingeweihten vermutlich nicht geläufig sind. Eine ganz saubere filmische Hommage an die Band und eine bewegende Geschichte. Auch für Nicht-Heavys durchaus sehenswert. Let it rock!




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