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Kritik: Der Räuber (2010)


Ein Mann läuft durch den Wald, läuft wie ein Berserker, er springt über Baumstümpfe, Äste, Steine, läuft und läuft...
Die Filme der diesjährigen Berlinale, erinnerten gelegentlich an Werbung für den Querfeldeinlauf - mehrfach sah man einsame Männer durch den Wald traben. So auch im österreichischen "Der Räuber", mit dem Regisseur Benjamin Heisenberg (nach einem Roman von Martin Prinz) die Geschichte des als "Pumpgun-Ronny" bekannt gewordenen Johann Kastenberger verfilmte. Der hatte im Österreich der 80er Jahre nicht nur einige Marathonläufe gewonnnen - einer seiner Rekorde im Berglauf ist bis heute ungebrochen - sondern auch eine ganze Reihe Banken überfallen. Nach seiner Festnahme im September 1988 gelang ihm zunächst die Flucht, nach tagelanger, spektakulärer Jagd richtete er sich jedoch schließlich selbst per Kopfschuss.
Heisenbergs Krimi-Drama kommt ohne jede Erklärung für Kastenbergs Tun, ohne erläuternde Hintergründe über seine familiäre Situation oder Motivation, relativ dialogarm, farblos, beobachtend daher. Gedreht wurde viel mit Steadycam, zwangsläufig, da in einer Mehrzahl der Szenen Bewegung, eben der Lauf, im Vordergrund steht.
Hauptdarsteller Andreas Lust musste sich entsprechend zwar verhältnismäßig wenig Text merken, dafür aber ein Lauftraining absolvieren. Mit freudlosem, totem Blick läuft er nun durch nahezu jede Filmszene. Dass der Krimi trotz der Weigerung, die Identifitkation mit der Hauptfigur durch irgendwelche wie auch immer gearteten Informationen zu befördern, recht ansehbar ist, geht entsprechend zu einem nicht unerheblichen Teil auf Lusts Konto. Was der dann allerdings nicht verhindern kann ist, dass man dem von ihm gespielten Kastenberger schlicht und ergreifend mehr oder minder gleichgültig zusieht und auch am, doch eigentlich einigermaßen dramatischen, Ende kein Bedauern empfindet - nicht für Kastenberger, aber auch nicht darüber, dass der Film vorbei ist. Alles egal, irgendwie.

Fazit: Dank des guten Hauptdarstellers recht ansehbares Krimi-Drama, dass allerdings vergleichsweise wenige Erklärungen und Identifikationsmöglichkeiten bietet und einen daher leider ziemlich kalt lässt.





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