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The Whistleblower
The Whistleblower
© Samuel Goldwyn Films

Kritik: Whistleblower – In gefährlicher Mission (2010)


Als "Huren des Krieges" bezeichnet der UN-Kommissar für Bosnien die Frauen, die unter dem Deckmantel des UN-Einsatzes ins Land geschleppt und zur Prostitution gezwungen werden. Dieser Satz fasst die Ignoranz und Gleichgültigkeit zusammen, mit der die Polizistin Kathy Blokovac (Rachel Weisz) zu kämpfen hat. Ursprünglich ist sie als Angestellte der privaten Sicherheitsfirma Democra Corp ins Land gekommen um bei dem Aufbau der Polizei zu helfen – und in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Schnell stellt sie fest, dass ihre Kollegen weniger gut ausgebildet sind. Ein einfacher Verwaltungsabschluss qualifiziert sie für ihre Tätigkeit, auch gibt es nur sehr wenige Frauen. Als sie dann einem bosnischen Kollegen hilft, die Verurteilung eines Mannes zu erreichen, der seine Frau seit Jahren misshandelt, wird die UN-Kommissarin Madeleine Rees (Vanessa Redgrave) auf sie aufmerksam – und bietet ihr einen Job an. Kathy nimmt an und kommt schon bald dem Schicksal junger Frauen auf die Spur, die aus ihrer zumeist osteuropäischen Heimat nach Bosnien verschleppt wurden und unter furchtbaren Bedingungen als Zwangsprostituierte vermeintliche Schulden abarbeiten müssen. Ihre Kunden sind hauptsächlich Angestellte der Sicherheitsfirma, der UN und auch der Polizei. Die Ausländer, die gekommen sind, um dem Land zu helfen – und nun sämtliche Neigungen ausleben dürfen. Sie haben volle Verfügungsgewalt über die Frauen, können sie sich sogar als private Sexsklavin kaufen. Aber niemand ist bereit, etwas dagegen zu tun. Die Ausländer genießen Immunität, die Sicherheitsfirma entlässt lieber Kathy als dem Skandal nachzugehen und die UN weist die Verantwortung von sich.

Diese wahre Geschichte, die Regisseurin Larysa Kondracki in ihrem Film "Whistleblower – In gefährlicher Mission" erzählt, ist schockierend und empörend. Aber leider verliert sie sich in einer zu starken Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere. Jeder ist entweder gut oder böse, wobei die Schurken überwiegend von Männern verkörpert werden. Auch Monica Bellucci als Chefin von Democra Corp bleibt blass, hier verschenkt Larysa Kondracki die Möglichkeit, auch die institutionelle Ebene mit einzubinden. Stattdessen wartet das Drehbuch überwiegend mit standardisierten Konflikten und einem Ende auf, das mehr Gerechtigkeit suggeriert als stattgefunden hat. Daran können auch die Texttafeln vor dem Anspann nur wenig ändern.

Glücklicherweise kann sich Larysa Kondracki aber auf ihre Hauptdarstellerin Rachel Weisz verlassen, die Kathy mit so viel Natürlichkeit spielt, dass der Film funktioniert. Darüber hinaus gibt es einige erschütternde Momente, die man nicht so schnell vergisst. Wenn eine der jungen Frauen nach einem Fluchtversuch vergewaltigt wird und die anderen Mädchen zusehen müssen, geht diese Szene an die Nieren – und offenbart einmal mehr, welchen Schrecken junge Frauen ausgesetzt sind. Auch das Kernproblem wird von Anfang an deutlich: In Bosnien – und anderen Krisengebieten der Welt – haben Angestellte der privaten Sicherheitsfirmen verantwortungsvolle Aufgaben übernommen, für die sie in keinster Weise qualifiziert sind. Stattdessen nutzen sie ihre Macht – und ihren Schutz – aus, um ihre Bedürfnisse und ihre Gier zu befriedigen. Aber solange Unternehmen wie Democra Corp (dahinter verbirgt sich die Sicherheitsfirma DynCorp) auf diese Weise viel Geld verdienen, wird sich daran nur schwer etwas ändern. Geschichten wie diese müssen daher erzählt werden. Zumal sie sich überall auf der Welt wiederholen.

Fazit: Sicherlich hat "Whistleblower – In gefährlicher Mission" Schwächen. Aber es ist ein Film der wütend macht, aufrüttelt und ein wichtiges Thema anspricht, das allzu selten in Nachrichten eine Rolle spielt. Daher: Ansehen!





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